Titelthema: So lernen Mädchen und Jungen – Bildung – FOCUS Online
Der kleine Unterschied ist ziemlich groß – jedenfalls in der Bildung. Moderne Schulen und clevere Eltern berücksichtigen das. Sie gleichen Defizite aus, damit alle Kinder ihr Potenzial ausschöpfen können.
…
Mit Estefanio, Antonio und den anderen Jungen der Klasse ist sie dann im Theaterraum verschwunden, um die Dialogszene aus dem Roman über Jugendbanden nachzuspielen. Später werden die Mädchen mit ihren Sätzen nacheinander in die Szene eingewechselt. „Was war jetzt anders?“, will die Pädagogin wissen. „Schaut euch auch Gestik und Mimik an!“ Die etwas ratlosen Siebtklässler, die damit ringen, die erspürten Unterschiede in Worte zu fassen, erlöst schließlich der Schritt ins wahre Leben. „Was ist denn typisch an Jungen und Mädchen?“, fragt Sabine Bartsch am Ende der Stunde, und da kommt die Antwort schnell und vielstimmig: „Jungen sind aggressiv, Mädchen zickig!“
…Mangelnde Chancengleichheit in Schulen
Für Kinder und Eltern ist dieser Unterschied kein Problem, sondern macht das Leben eher spannend. Er wird aber zum Sorgenfaktor, sobald er das eine oder andere Geschlecht benachteiligt. Von Gleichmacherei redet heute niemand mehr, aber Chancengleichheit wollen wir für unsere Kinder. Lisa soll Fußball spielen können oder Ballett tanzen, Leon Erzieher werden oder Astronaut.
Mit Chancengleichheit ist es aber nicht weit her in Deutschland, gerade in den Schulen. Jungen haben Defizite im Lesen und zeigen insgesamt schlechtere Leistungen, Mädchen in Mathematik und beim Selbstbewusstsein. Daran ist nicht (nur) die Schule schuld, aber sie gleicht diese Unterschiede nicht aus, sie verstärkt sie sogar noch. „Die Differenz ist ausschließlich durch soziales, politisches und administratives Handeln beziehungsweise Unterlassen erzeugt. Diese Ungleichheit stößt deutlich an die Grenze des rechtlich, aber auch moralisch Hinnehmbaren“, klagt der Aktionsrat Bildung in seinem Jahresgutachten 2009 an.
Ich frage mich, wie lange diese Grenze noch ausgereizt wird, bevor die Schulen, Jungendämter, Initiativen und pädagogischen Institutionen allgemein aufwachen.
Immerhin ist aber eines der Leit-Print-Medien aufgewacht, und weist auf die Mißstände hin.


