Ritalin hilft gegen die Krankheit, ein Junge zu sein.

Ich gebe es zu, diese Überschrift ist sehr überspitzt. Doch heute las ich einen Artikel in der konservativen FAZ, der sicher jetzt dazu geeignet wäre, durch Herrn Rosenbrock und ähnliche Wissenschaftler als “rechtsradikal”  eingeschätzt zu werden. Denn er belegt, dass es fast ausschließlich Jungen sind, die sich ganz und gar anders verhalten, als es die Gendertheorie  und der Mainstream des Feminismus nahezulegen scheinen. Und dagegen hilft eben Dämonisierung oder Ritalin.

Ritalin ist eine Pille gegen eine erfundene Krankheit, gegen die Krankheit, ein schwieriger Junge zu sein. Immer mehr Jungs bekommen die Diagnose. Die Pille macht sie glatt, gefügig, still und abhängig.

Jeder zehnte Junge in Deutschland ist krank. Zu wild und zu laut. Er testet ständig Grenzen. Er kann in der Schule nicht stillsitzen, ist ungeduldig, kann sich nicht konzentrieren, er wird wütend und aggressiv. Er stört. Er provoziert, obwohl er es nicht will, er fühlt sich missverstanden. Er bekommt schlechte Noten. Er ist schwierig und anstrengend für Eltern und Lehrer, so schwierig, dass er irgendwann beim Kinderarzt sitzt und die Diagnose bekommt: ADHS, das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom. Dann ist der Junge nicht mehr schwierig, sondern krank.

Für ein schwieriges Kind gibt es Gründe: überforderte Eltern, eine kaputte Familie, unfähige Lehrer, zu viel Computerspiele und zu wenig Kletterbäume. Wenn ein schwieriges Kind für krank erklärt wird, braucht sich niemand verantwortlich zu fühlen: Krankheiten können genetisch veranlagt sein oder Schicksal oder beides. Keiner kann etwas dafür. Nicht der Junge, nicht Eltern, nicht Lehrer, nicht Umstände. Wer krank ist, bekommt Medizin. Eine Pille, die gesund macht. Für die wilden Jungs gibt es eine Pille, die sie still und aufmerksam macht: Ritalin.

90 Prozent der ADHS-Diagnosen sind falsch

Der Spandauer Kinderarzt Ulrich Fegeler kennt das aus seiner Praxis: Oft kommen Eltern mit ihren Kindern zu ihm und wollen die ADHS-Diagnose. Er selbst stellt sie als Kinderarzt nicht aus, sondern schickt Verdachtsfälle zu den Kinder- und Jugendpsychiatern der großen Krankenhäuser. „Ich habe noch niemanden erlebt, der ohne Diagnose zurückgekommen ist“, sagt der Kinderarzt. Noch niemanden.

Ulrike Lehmkuhl, Direktorin der Kinderklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité, beobachtet seit etwa zehn Jahren eine Inflation von ADHS-Diagnosen. Dass sich das Syndrom tatsächlich ausbreitet, hält sie für unwahrscheinlich: „Das ist schließlich kein Virus“, sagt Lehmkuhl. Von zehn Kindern, die mit einer ADHS-Diagnose zu ihr geschickt werden, stellt sie bei neun eine andere Verhaltensstörung oder psychische Erkrankung fest. Kurz gesagt: 90 Prozent der ADHS-Diagnosen sind falsch. Der Diagnosen, nicht der Kinder. Drei Kriterien müssten für eine richtige ADHS-Diagnose zusammenkommen, sagt Lehmkuhl: Impulsivität, Hyperaktivität und ein Aufmerksamkeitsdefizit. „Und das schon seit dem frühen Kindesalter: ADHS, das in der siebten Klasse plötzlich auftritt, gibt es nicht!“

Eine fabrizierte Erkrankung

Noch radikaler sah es der Erfinder von ADHS: der amerikanische Psychiater Leon Eisenberg. In den späten sechziger Jahren hatte er dafür gesorgt, dass die Hippeligkeit und Konzentrationsschwäche, die er bei einigen Kindern feststellte, unter dem Namen ADHS als psychische Erkrankung klassifiziert wurde. Doch als die ADHS-Diagnosen wucherten und die Ritalin-Verschreibungen explodierten, kamen ihm Zweifel. Vierzig Jahre später, kurz vor seinem Tod, gestand Eisenberg dem Wissenschaftsjournalisten Jörg Blech, dass er nicht mehr an ADHS glaubt. ADHS, sagte er, sei „ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung“.

Keine Krankheit, ein Deutungsmuster: als psychisch krank wird definiert, was gegen bestimmte Regeln verstößt und von Normen abweicht. Diese Normen sind nicht ein für alle Mal festgelegt, sie können sich verändern. ADHS ist ein Jungen-Syndrom. Jungen bekommen die Diagnose viermal so oft wie Mädchen. Sie sind es, die über die Stränge schlagen und gegen Regeln verstoßen. Wer hat sich verändert? Die Jungen? Die Regeln?

 

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Kommentare

  1. Jörg v.B meint:

    Ich kann dem Artikel nur voll und ganz zustimmen. Vor allem in Deutschland und in wenigen anderen Ländern gibt es die ADHS-Hysterie. In Scandinavien oder z.B. in den Südseestaaten (Australien, Neuseeland,…) ist das vollkommen unbekannt. Kein vernünftiger Mensch setzt seine Kinder wissentlich unter Drogen, den nichts anderes ist Ritalin und unterliegt deshalb dem Beteubungsmittelgesetz (BTM).
    Früher durften wir “Jungs” sein. Heute in dieser hektischen, glatten und angepassten Welt muss alles nur funktionieren. Das viele Eltern sich bequatschen lassen, kann ich verstehen. Wer 10…12h im Job funktionieren muss, hat dann zu Hause für einen Jungen keine Nerven mehr. Ich habe selbst eine Tochter und einen Sohn und kenne die Unterschiede. Am Ende müssen beide sinnvoll beschäftigt werden, dann können sie sich auch sinnvoll auspauern und ihre Kräfte steuern lernen.
    Das schlimmste an der Ritalin-Therapie ist, dass selbst von Beführwortern festgelegten Therapiepausen nicht eingehalten werden und die Nebenwirkungen dann in der Langzeittherapie (für dass das Medi. gar nicht zugelassen ist) zum Alptraum werden können. Wer nicht lernt, mit Gefühlen und Aggressionen frühzeitig umzugehen und zu kontrolieren, der wird zur tickenden Zeitbombe.
    Mich würde wirklich ehrlich interessieren, wer von den Heute “auffälligen jungen Männern”, in ihrer Kindheit mit Ritalin ruhig gestellt wurden. Ich denke das Ergebnis wäre “ernüchternt”!!!

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