Jungs und Männer, wie geht es Euch mit Eurer “Beschneidung”?

Die männliche “Beschneidung” wird häufig und gern in den Medien und der öffentlichen Wahrnehmung zu einer unwichtigen Bagatelle gemacht.

Sie wird manchmal einfach mit “Hygiene”  gleichgesetzt und ansonsten verschwiegen. Doch lange nicht alle Männer oder Jungen, die “beschnitten” wurden, halten ihren  jetzigen Zustand für gut oder gar wünschenswert.

Ich bin der Ansicht, dass in Zukunft das Thema einen höheren Stellenwert in der öffentlichen Diskussion braucht, als ihm heute zugewiesen wird. Daher wünsche ich mir, dass möglichst viele Jungen oder Männer, die “beschnitten” wurden, ihre Erfahrungen hier einmal kurz (oder lang) beschreiben.

Nur so lässt sich belegen, WIE Jungen oder Männer ihre “Beschneidung” und deren Folgen später erleben. Und nur so können all jene Märchenstunden beendet werden, die angeblich belegen sollen, dass “das alles ja für jeden richtigen Jungen oder Mann nicht so schlimm” sei.

Tatsache ist, die meisten Männer und Jungen erdulden Vieles, ohne je darüber zu klagen. Genau deshalb gelten sie eben auch nicht als benachteilgt oder gar als traumatisiert.

Unser Forum ist eröffnet. Und wir garantieren, dass wir alle beschriebenen Erfahrungen, Positionen und Meinungen hier veröffentlichen, auch wenn sie nicht unsere Ansichten zum Thema teilen.

Also: schreibt/schreiben Sie uns Eure /Ihre Erfahrungen. Uns interessiert alles, was spontan einfällt.

Hier zum Beispiel einige Fragen:

Wann war meine “Beschneidung”?

Wie habe ich die “Beschneidung” erlebt?

Gab es Probleme? Z.B. bei der Heilung?

Wie wurde ich versorgt?

Wurde ich mit Schmerzen o.ä. ernstgenommen?

Welche Folgen hat meine “Beschneidung” bis jetzt?

Finde ich es ok, wenn kleine Jungen aus religiösen Gründen “beschnitten” werden?

Vielen Dank für Eure/Ihre Antworten.

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Kommentare

  1. Philmos meint:

    Hallo an alle,

    bin ich hier der erste, der hier antwortet?

    Ich würde gerne meine Erfahrungen mit meiner Beschneidung als Kind hier schildern. An welches Raster sollte man sich halten bei der Mitteilung der Erlebnisse und Erfahrungen?

    Dieses hier?

    ***

    Wann war meine “Beschneidung”?

    Wie habe ich die “Beschneidung” erlebt?

    Gab es Probleme? Z.B. bei der Heilung?

    Wie wurde ich versorgt?

    Wurde ich mit Schmerzen o.ä. ernstgenommen?

    Welche Folgen hat meine “Beschneidung” bis jetzt?

    Finde ich es ok, wenn kleine Jungen aus religiösen Gründen “beschnitten” werden?

    ***

    Oder sind noch weitere Fragen gewünscht? Ich würde dann einfach beginnen, wenn es gewünscht ist?

     

    Gruß Philipp.

  2. Philmos meint:

    Hallo,

    also ich werde es erst einmal versuchen:

    Wann war meine “Beschneidung”?

    Mit drei Jahren unmittelbar nach Diagnose durch den Kinderarzt, Vorhaut ging angeblich nicht vollständig und leicht genug zurück, Diagnose “überlange Vorhaut” und “wiederkehrende Phimose”. Überweisung an die Chirurgie eines Krankenhauses zur ambulanten Operation “radikale Circumcision/komplette Beschneidung” mit der Plastibelltechnik, OP schon knapp drei Wochen nach Diagnose. Meine Meinung und Einstellung dazu war komplett gleichgültig, “es mußte sein”, also wurde es gemacht. Es ging komplett über meinen Kopf hinweg, es wurde entschieden, auch gleich schon der OP-Termin durch den Kinderarzt, der diesen gleich nach Indikation und Therapieanweisung als “Service” mit dem Krankenhaus vereinbarte. Da kam ich nicht mehr raus. Was genau gemacht werden sollte, war mir auch nicht klar, etwas an der vorderen Haut an der Spitze, aber nichts Großes, nur ein kleiner Eingriff, was immer das zu bedeuten hatte. Was Beschneidung wirklich bedeutete (also in meinem Fall die komplette Entfernung der Vorhaut) und was man wirklich mit meinem Penis machen würde, habe ich nicht im geringsten geahnt. Es hätte aber nichts genutzt, wie hätte ich mich wehren können? Es war alles ausgemacht und geplant worden.

    Wie habe ich die “Beschneidung” erlebt?

    Komplette Überrumpelung, da alles sehr schnell ging von der Diagnose bis zur Voruntersuchung und zum Operationstermin. Ungeheure Machtdemonstration der riesigen Maschinerie Krankenhaus und Ärzte, gegen die ein kleiner Junge komplett machtlos ist. Er kann sich nur noch fügen und eben alles geschehen lassen. Fließbandabfertigung bei Voruntersuchung und Beschneidung selbst, alles mußte sehr schnell gehen, Voruntersuchung, am OP-Tag, Vorbereitung, Narkose, Aufwachen, Entlassung. Ich habe nur meinen Körper hingegeben, damit das Personal etwas mit ihm machen konnte. Was genau, das war mir erst hinter der Operation klar, als ich meinen Penis zum ersten Mal danach sah. Ich hatte ihn zuerst nicht wiedererkannt, so groß war der Unterschied vor und nach der Beschneidung.

    Gab es Probleme? Z.B. bei der Heilung?

    Plastibellring nach der Operation sehr schmerzhaft über Stunden, erträglich über Tage, bis zum Abfallen des Ringes scheinbar endlose Zeit (6 Tage mit Ring auf der Eichel), sehr lange Wundheilung der Narben und der wunden Haut der Eichel, des kleinen Vorhautrestes und der Beschneidungsnarbe rundherum nach der Beschneidung. Der Plastibellring mit seinem Kunststoff brannte wie Feuer auf der wunden Eichel. Das Wasserlassen brannte anfangs wie Tausende von Nadeln in der Harnröhre, wurde von Tag zu Tag besser. Gewöhnung an die freiliegende Eichel sehr langwierig über Monate. Bestimmte Unterwäsche war weniger unangenehm als andere.

    Wie wurde ich versorgt?

    Ambulante Nachversorgung, Kontrollen immer wieder durch den Kinderarzt. Soweit in Ordnung, aber sehr peinlich, den frisch beschnittenen Penis ständig herzeigen zu müssen, v.a. wenn auch an der Resthaut gezogen wurde zur Untersuchung, ob genug entfernt wurde.

    Wurde ich mit Schmerzen o.ä. ernstgenommen?

    Schmerzen sind normal bei dieser Operation, diese gehen vorbei, wurde wiederholt gesagt.

    Welche Folgen hat meine “Beschneidung” bis jetzt?

    Ein Leben ohne Vorhaut mit allen Vor- und Nachteilen wie aus der bekannten Literatur ersichtlich, siehe dort. In Europa Außenseitertum als beschnittener Junge und Mann, Hänseleien in der Schule etc.Wink In den USA genau andersrum.

    In der Pubertät dann die Erkenntnis, daß das “Bedienen” meines beschnittenen Penis ohne “Hilfsmittel” wie Gleitsubstanzen etc. nur sehr schwer möglich ist. Nicht unmöglich, aber den Preis dafür zahlte ich sehr schnell mit Wundsein der entsprechenden Hautregionen.  Meine Partnerinnen gingen dann sehr schnell zu anderen Techniken über, weil ihnen das “Bedienen” ebenfalls zu mühsam war.

     

    Gruß Philipp.

  3. Leon Woczelka meint:

    Ganz herzlichen Dank für Deine ausführliche Schilderung. Ich werde diese warscheinlich demnächst in einem meiner Artikel zitieren. Vielen Dank nochmals.

  4. Philmos meint:

    Bitte gern geschehen. Wenn noch Fragen sind, bitte einfach stellen.

    Noch etwas zu der einen Frage:

    Finde ich es ok, wenn kleine Jungen aus religiösen Gründen “beschnitten” werden?

    Das steht mir nicht zu, darüber zu urteilen, auch, weil ich ein gläubiger Mensch bin. Das Religionsthema und die damit verbundene Beschneidung in einigen Religionen sind sehr heikel, ich respektiere die Religionsfreiheit anderer voll und ganz.

     

    Wogegen ich mich aber ganz klar ausspreche, das sind medizinisch nicht klar indizierte und vorschnelle medizinische Beschneidungen oder wenn Beschneidungen als willkommenes Heilmittel für alles mögliche herhalten sollen. Interessant in diesem Zusammenhang ist, daß dieses vor allem bei kleinen Jungen aufgefahren wird (Thema Abhängigkeit und Wehrlosigkeit!), ab einem gewissen Alter wird es von den Ärzten  und Eltern wohl schwerer durchzusetzen sein!

     

    Noch etwas. In meiner Umgebung tauchten damals mehr und mehr beschnittene Jungen auf, die teilweise bei dem gleichen Kinderarzt waren, teilweise auch in dem gleichen Krankenhaus operiert worden sind. Interessant ist, daß dieses mit dem Alter von 3 Jahren begonnen hat. Ich erinnere mich, daß das so formuliert wurde, daß “Phimosen” erst nach 3 Jahren Lebensalter operiert werden sollten.  Es erschien so, als sei das Alter 3 Jahre der Startschuß gewesen für die Durchführung der Beschneidungen. Ich z.B. war gerade exakt 3 Jahre geworden, das war die erste Untersuchung nach meinem Geburtstag, wo dieses gleich “umgesetzt” wurde. Vorher wurde bei den Untersuchungen zwar auch immer schon geschaut, aber keine OP angewiesen. Ich denke schon, daß da ein System dahinterstand.

  5. Manfred meint:

    Die Folgen der männlichen Beschneidung sind kaum bekannt. Sie werden wenig thematisiert, wobei sie in der Häufigkeit und der schwere der Schädigung äußerst ernst zu nehmen sind.
    Wir haben einiges an Material dazu zusammengetragen und übersetzen gerade amerikanische Publikationen dazu, um die Risiken bekannt zu machen.
    Manfred
    (www.beschneidung-von-jungen.de)

  6. Johannes meint:

    Ich bin total glücklich das ich vor 1 Jahr mit 11 Jahren beschnitten wurde. Alle anderen Jungs aus meiner Schulklasse sind neidisch auf meinen Penis.

  7. Frank meint:

    Ich wurde mit zwei Jahren beschnitten, kenne es also nicht anders. In der Schule war das auch kein besonderes Thema, klar manchmal hat das während der Pubertät genervt aber ich glaube das geht jedem so.
    Auch vom Gefühl her ist es ok.
    Was mich aber trotzdem nervt sind diese unnötigen Beschneidungen, weils angeblich schöner aussieht oder die Jungen sich dann weniger selbst befriedigen, das halte ich wirklich für vollkommenen Blödsinn.
    Gerade SB gehört auch zur Entwicklung, und das einem Kind bzw. Jugendlichen zu nehmen ist viel schlimmer als eine Beschneidung, die zB. wegen Phimose durchgeführt wurde.

  8. Karl meint:

    Wurde mit etwa 9 Monaten beschnitten. Meinem Vater, der das überhaupt nicht wollte, wurden die tollsten Geschichten erzählt (von wegen todbringende Phimose) bis er schließlich einer minimalen / sparsamen Beschneidung zuwilligte. Die Ärzte interessierte das aber nicht und “sparsam” war das auch nicht.
    Mein Vater hätte den Arzt anzeigen sollen, aber jetzt 20 Jahre später ist es wohl zu spät.
    Ich hab heute mit den Folgen zu kämpfen.
    Schlimm ist, dass man es praktisch nicht diskutieren kann, weil es doch so intim ist.

  9. ronald meint:

    Die im Säuglings- oder Kleinkindesalter Beschnittenen wurden nicht gefragt, ob es ihnen recht sei, beschnit-ten zu werden. Sie wurden auf den OP-Tisch gelegt und das Skalpell angesetzt, sobald die Wirkung des Ätherrausches oder der Beruhigungsspritze eingesetzt hatte. Aus heutiger Sicht ist es höchst fraglich, ob die OP in jedem Fall wirklich erforderlich war, denn es gibt Salben und Dehnübungen, die in vielen Fällen das Problem einer zu engen Vorhaut erfolgreich behoben haben. Die Nordischen Länder machen es vor, wo heute so gut wie nicht mehr beschnitten wird, weil dort der wahre Wert einer intakten Vorhaut erkannt wurde. Doch solche Alternativlösungen waren damals unbekannt. Da gab es eine Phimose, die operativ behoben werden mußte und das wurde stets mit einem sogen. „freien Schnitt“ ausgeführt. Mehrfach hört man auch, daß Jungen gleich mit beschnitten wurden, wenn der Bruder beschnitten oder wegen eines anderen Eingrif-fes sowieso narkotisiert worden war. Gewissermaßen als „Zugabe“, womit die Würde des Menschen mit Füßen getreten wurde. Spezielle Beschneidungstechniken, wie die gut aussehende high & tight-Methode, deren Narbe fast bis in die Mitte des Schaftes reicht, wurden nicht angewendet. Die meisten so Beschnittenen besitzen noch einen Vorhautrest, der im schlaffen Zustand bis knapp über die Eichel gezogen werden kann.

    An meine Beschneidung mit 6 Jahren, kurz vor der Einschulung, kann ich mich noch sehr genau erinnern. Eines Tages stellten mich meine Eltern auf einen Hocker, zogen mir die Hosen aus, um an meinem Schwanz eine Entzündung genauer betrachten zu können. Ich vermute, daß meine Mutter aus erziehungsbedingtem Schamgefühl versäumt hatte, mir die Säuberung meiner Eichel mit zurückgezogener Vorhaut rechtzeitig beizubringen. Eine ärztliche Untersuchung fand nicht statt, demnach genügte dem Mediziner die elterliche Diagnose.

    Eines Morgens brachte mich meine Mutter zur Klinik, wo mich eine OP-Schwester in Empfang nahm und bis auf das Unterhemd entkleidete. Danach wurde ich in den OP getragen und auf dem OP-Tisch angeschnallt. Ich bekam eine Äthermaske aufgesetzt und mußte zählen, ich glaube, ich kam bis 12, bis ich bunte Sterne vor dunklem Hintergrund tanzen sah und mir vom Ätherrausch die Sinne schwanden. Nach der OP wurde ich mit dem Krankenwagen nach Hause gefahren, wo ich einige unruhige Tage und Nächte verbrachte, denn mein Schwanz schmerzte heftig, besonders beim Wasserlassen. Die Naht war zwischen innerem und äußerem Vorhautblatt vernäht, mit einer schwarzen Wundsalbe bestrichen und mit Pflaster verklebt. Meine Mutter mußte das Pflaster täglich wechseln und es tat weh, besonders beim Abziehen des Pflasters und beim Pinkeln. Nach einigen Tagen fielen die Fäden von selbst ab.

    Einige Tage danach wurde in der Klinik noch eine Nachuntersuchung vorgenommen. Eine Schwester zog meinen Schwanz aus einem Hosenbein meiner kurzen Lederhose heraus und betrachtete die Beschnei-dungsnarbe rundum genau. Das Ergebnis war offenbar nicht zu beanstanden. Vom Vernähen von innerem und äußerem Vorhautblatt blieb eine kleine Hauttasche erhalten, durch die ich eine Nadel oder ein Streichholz hindurchstecken konnte – wohl ein unfreiwillig-vorweggenommener Vorläufer des heutigen Piercing. Diese Hauttasche habe ich viele Jahre später mit einer Nagelschere durchtrennt, als ich merkte, daß keine Nerven oder Blutgefäße hindurchgingen. Das war die Beschreibung des medizinischen Teils meiner Beschneidung.

    Der psychische Teil wog schwerer, weil mich meine Eltern in einer Zeit prüder Erziehung nie informiert hatten, weshalb die Beschneidung notwendig gewesen sei. Zu fragen wagte ich aus Scham auch nicht. Mit meinen Gefühlen alleingelassen, dachte ich viele Jahre, ich sei der einzige Beschnittene weit und breit und habe mich fast zu Tode geschämt, wenn es gelegentlich ans Ausziehen ging und selbst zu Hause habe ich beim Baden die Badezimmertür gern abgeschlossen. In der Schule habe ich mich nicht mehr getraut, mit meinen Klassenkameraden gemeinsam pinkeln zu gehen aus Angst, es könnte mir einer auf meine blanke Eichel schauen, mein Beschnittensein bemerken und sich über mich lustig machen. Auch habe ich nie einen anderen beschnittenen Jungen gesehen, mit dem ich darüber hätte sprechen können. In der Folge stellte sich eine Paruresis ein, also ein psychisch krankhafter Zustand, der sich in der Unmöglichkeit zeigt, pinkeln zu können, wenn andere mit im Raum sind. Ich habe später mehr oder weniger erfolgreich dagegen mit Autogenem Training angekämpft und mich mit meiner Beschneidung arrangiert. Immer aber hatte ich den Wunsch, lieber unbeschnitten zu sein.

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