Vorbilder für Jungen (6) Albert Schweitzer

Vorbilder für Jungen (6)

Albert Schweitzer

Albert Schweitzer wurde am 14.1.1875 als Sohn eines Pfarrers in Kayserberg (Elsass) geboren. Als Junge machte er wichtige Erfahrungen, die ihn sein ganzes Leben lang entscheidend geprägt haben.
Eines Tages baute er wie seine Mitschüler eine Schleuder, um damit auf Vögel zu schießen. Doch als die Kirchenglocken läuteten, machte Albert Folgendes: „Ich tat die Schleuder weg, scheuchte die Vögel auf, dass sie wegflogen und vor der Schleuder meines Begleiters sicher waren, und floh nach Hause. Und immer wieder, wenn die Glocken der Passionszeit in Sonnenschein und kahle Bäume hinausklingen, denke ich ergriffen und dankbar daran, wie sie mir damals das Gebot ´Du sollst nicht töten` ins Herz geläutet haben.“ Dieses Erlebnis war ein Grundstein für sein wichtigstes Prinzip, die „Ehrfurcht vor dem Leben“, und seine Liebe zu Tieren. Schon früh empfand er Mitleid mit anderen Lebewesen.
Eine andere Erfahrung war für ihn auch sehr wichtig. Die Jungen aus seinem Dorf hänselten Mausche, einen Juden, der als Viehhändler durch die Dörfer zog. Albert fand es anfänglich auch sehr komisch. Doch eines Tages bemerkte er das nachsichtige Lächeln des Mannes: „Dieses Lächeln übewältigte mich. Von Mausche habe ich zum ersten Mal gelernt, was es heißt, in Verfolgung stille schweigen.“ Mausche wurde für Albert zum großen Vorbild.
Geprägt wurde Albert Schweitzer auch durch die Musik. Sein Großvater war ein Orgelbauer und drei seiner Onkel waren Organisten. Schon als fünfjähriger wurde Albert auf dem Klavier unterrichtet, mit neun Jahren spielte er Orgel im Gottesdienst. Musik spielte für ihn immer eine große Rolle. Sie gabe ihm tiefe Befriedigung und stellte für ihn eine geistige Bereicherung dar.
Von seinen Mitschülern wurde Albert als „Herrenbüble“ gehänselt, weil er als Pfarrersohn besser gekleidet war. Er war schüchtern und verschlossen. Aufgrund seiner Schüchternheit hatte er schlechte Noten. Das änderte sich, als ein neuer Klassenlehrer den Unterricht übernahm. Er erkannte, dass Alberts Schüchternheit die Ursache für seine schlechten Noten war. Dem neuen Lehrer ist es gelungen, Albert von seinen Ängsten und Hemmungen zu befreien und sein Selbstvertrauen zu stärken. Seine Schulleistungen verbesserten sich daraufhin deutlich. Jeder Junge braucht eine Vertrauensperson, sei es einen Familienmitglied oder einen Lehrer, die ihm seine Ängste und Hemmungen wegnimmt und seinen Glauben an sich selbst stärkt.
Ab 1893 studierte Albert Schweitzer Theologie und Philosophie in Straßburg. 1900 übernahm er das Amt eines Predigers in Straßburg. 1902 wurde er Hochschullehrer an der theologischen Fakultät der Universität Straßburg. Außerdem gab er zahlreiche Orgelkonzerte und veröffentlichte ein Buch über Bach, das zum Bestseller der Musikliteratur wurde.
Doch Albert Schweitzer wollte nicht nur Gutes predigen, sondern es auch tun. An einem Herbsttag im Jahre 1904 fand er unter der Post auf seinem Schreibtisch einen Prospekt der französsischen Missionsgesellschaft, die dringend nach Helfern in Afrika suchte. Der Hilferuf liess ihn nicht mehr los. Er hat endlich gefunden, was seinem Leben Sinn gab. Er entschloss sich, als Missionar und Arzt nach Afrika zugehen. Dafür musste er zunächst einige Semester Medizin studieren und weitere Orgelkonzerte zwecks Finanzierung seiner Afrika-Hilfe geben. Schweitzer verzichtete auf eine Karriere an der Universität und auf ein Leben im Wohlstand. Er wollte lieber Menschen helfen, die im Elend lebten. 1912 gab er sein Amt als Prediger auf und ging 1913 nach Lambarene (Gabun/Afrika). Dort baute er ein Krankenhaus, dessen Leiter er wurde. Schweitzer arbeitete dort mehr als 50 Jahre. Unterbrochen wurde seine Arbeit durch Vortrags- und Konzertreisen durch Europa und USA, auf denen er Geld für sein Krankenhaus sammelte. Um für das Krankenhaus zu sparen, lebte er sehr bescheiden; er fuhr in der Bahn immer in der niedrigsten Klasse und trug sein Gepäck selber. Auf sein Äußeres legte er keinen Wert.
Sein wichtigstes Prinzip ist die „Ehrfurcht vor dem Leben“: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Allem Lebendigen soll in gleichem Maße Ehrfurcht entgegengebracht werden. Es ist geboten, Leben zu erhalten und zu fördern. Es ist verboten, Leben zu vernichten und zu schädigen. Schweitzer setzte sich für den Tierschutz ein. Nicht nur Menschen, sondern auch Tieren sollten wir mit Anteilnahme und Güte begegnen. Die Menschen haben kein Recht, Tiere und auch Pflanzen als ihr Eigentum zu betrachten, das sie rücksichtslos ausnutzen können. Die Einheimischen brachten ins Krankenhaus oft kranke Tiere, die dort gepflegt wurden.
Schweitzer setzte sich stark für den Weltfrieden ein. Er warnte vor den Gefahren eines Atomkriegs und forderte zusammen mit seinem Freund Albert Einstein die Einstellung der Atomversuche. 1953 erhielt er den Friedensnobelpreis. Er starb am 4.9.1965 in Lambarene. Schweitzers Einsatz für Kranke und Hilfsbedürftige in Afrika ist bis heute ein Symbol für die Menschlichkeit.

Bücher von Albert Schweitzer: J.S. Bach, 1908; Geschichte der Leben-Jesu-Forschung, 1913; Aus meiner Kindheit und Jugendzeit, 1924; Aus meinem Leben und Denken, 1931; Ein Pelikan erzählt aus seinem Leben, 1950; Das Problem des Friedens in der heutigen Welt, 1954; Die Lehre von der Ehrfurcht vor dem Leben, 1966.

Bücher über Albert Schweitzer: I. Kleberger, Albert Schweitzer, 1989; N.O. Oermann, Albert Schweitzer, 2009.

Filmdokumentation über Albert Schweitzer (Text geschrieben und gesprochen von Albert Schweitzer):

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Über Dr. Alexander Ulfig

Als Junge interessierte ich mich sehr für Geschichte und Filme. In Mathe und Sport war ich ganz schlecht. Später entdeckte ich mein Interesse für die Philosophie. Dieses Fach habe ich dann auch zusammen mit Soziologie und Psychologie studiert. Heute beschäftige ich mich als Autor mit den Fragen, was ein glückliches Leben ist, wie Menschen miteinander friedlich und respektvoll umgehen können und wie eine gerechte Welt aussehen könnte.

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