Vorbilder für Jungen (4) Sokrates

Sokrates

Vor 2500 Jahren lebte in Griechenland ein Mann, der die Geschichte unserer Kultur entscheidend geprägt hat. Sein Name war Sokrates. Man weiß wenig über sein Leben. Sein Vater war ein Steinmetz, seine Mutter eine Hebamme. Er führte ein einfaches Leben. Reichtum lehnte er ab, trug eifache Kleidung und ging barfuß. Von vielen seiner Zeitgenossen wurde er als ein Sonderling betrachtet.
Sokrates war es aber völlig gleichgültig, was andere von ihm dachten. Er machte das, was ihn interessierte: Er ging auf öffentliche Plätze, zum Beispiel auf einen Marktplatz, um mit seinen Mitbürgern Gespräche zu führen.  Sokrates war ein Philosoph. Das ist jemand, der sich Gedanken über wichtige Dinge macht und wichtige Fragen stellt, wie zum Beispiel: Wer bin ich? Was ist ein gutes Leben? Wie soll ich mit anderen Menschen umgehen?  Was ist Mut? Was ist Gerechtigkeit? Was bedeutet der Tod? Sokrates wendet sich gegen seine Widersacher, gegen die sogenannten „Sophisten“. Sie betrachten die Erkenntnisse, die sie  haben, als Mittel, mit denen man Wirkung auf andere Menschen erzielen und sie gefügig machen kann. Außerdem nehmen sie für ihren Unterricht Geld. Sokrates ist hingegen an Erkenntnissen um der Erkenntnisse willen, am Wissen um des Wissens willen interessiert. Mit anderen Worten: Ihm geht es einzig und alleine um das Herausfinden der Wahrheit.

Das kann nur im Gespräch mit anderen Menschen, durch geschicktes Fragen vonstatten gehen. Sokrates stellt im Gespräch alle Meinungen in Frage. Er widerlegt die Meinungen seiner Gesprächspartner. Er ist sich aber auch seiner eigenen Überzeugungen nicht sicher. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, ist der bekannteste Satz von ihm. Statt mit Wissen anzugeben, verharrt er bescheiden in Unwissenheit. Erst im Laufe eines Gesprächs kann man zur wahren Erkenntis gelangen. Die Gespräche, die zur wahren Erkenntnis führen,  haben Folgen für das Leben. Anders formuliert: Wahre Erkenntnis ist eine Voraussetzung für ein gutes Leben. Erst wenn wir die Dinge richtig erkennen, können wir mit uns zufrieden sein und auch richtig handeln. Letztlich geht es Sokrates darum, wie man gut leben sollte. Er wollte ein gutes Leben für sich selber und ein gutes Leben für andere Menschen. Gut leben können wir nur dann, wenn wir die Dinge richtig erkennen und wenn wir Gutes tun. Wenn wir Gutes tun, freut sich unsere Seele. Wenn wir Schlechtes tun, schaden wir ihr. Wenn wir zum Beispiel andere belügen, verderben wir unsere Seele, wenn wir die Wahrheit sagen oder anderen Menschen helfen, haben wir ein gutes Gefühl. Gutes tun ist Balsam für die Seele.

Sokrates hat selbst nichts geschrieben. Seine Lehre wurde von anderen, zum Beispiel von seinem bekanntesten Schüler Platon, schriftlich niedergelegt. Seine Suche nach Wahrheit, seine Gespräche und seine Lebenshaltung begeisterten vor allem junge Menschen. Er sammelte um sich viele Anhänger.  Da er alles in Frage stellte und junge Menschen begeisterte, wurde er wegen Gotteslästerung und Verführung der Jugend angeklagt und zum Tode verurteilt. Sokrates hielt vor Gericht eine Verteidigungsrede. Er betonte, dass seine Ankläger nicht über das Wissen verfügen, das sie beanspruchen, und insofern noch weniger wissen als er selbst, der sich immerhin seiner eigenen Unwissenheit bewusst war. Das hat den Anklägern nicht gefallen.

Sokrates hätte sich aber trotzdem vor der Verurteilung retten können, wenn er versprochen hätte, keine Gespräche mehr zu führen. Er weigerte sich jedoch, dies zu tun. Er sah nicht ein, dass er auf das, was ihm lieb war, verzichten sollte. Er sah nicht ein, dass er nicht mehr öffentlich seine Überzeugungen äußern sollte.

Auch das Angebot seiner Freunde, ihm zur Flucht zu verhelfen, lehnte er mit der Begründung, er wolle nichts Unrechtes tun, ab. Seine Freunde wollten ihn vor dem Tod trösten. Sokrates fand aber seine Lage gar nicht traurig. Er verlor nicht die Fassung und blieb sich treu. Statt zu verzweifeln, verwickelte er seine Freunde in ein weiteres Gespräch, in dem es um das Weiterleben der Seele nach dem Tode ging. Sokrates hatte keine Angst vor dem Tod, weil er Argumente dafür vorbrachte, dass die Seele unsterblich ist. Seitdem ist es eine wichtige Aufgabe der Philosophie, Menschen von der Angst vor dem Tod zu befreien. Das Gespräch dauerte den ganzen Tag. Kurz vor dem Sonnenuntergang trank Sokrates einen Becher mit Gift und wartete ruhig und gelassen auf das Eintreten des Todes.

Bücher über Sokrates: Platon, Apologie; Platon, Phaidon; C.C.W. Taylor, Sokrates, 2004; M. Büchele, 11 Philosophen: erzählt für Kinder, 2010.

Spielfilm über Sokrates: Sokrates, Regie: Roberto Rossellini, 1971. Trailer:

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Über Dr. Alexander Ulfig

Als Junge interessierte ich mich sehr für Geschichte und Filme. In Mathe und Sport war ich ganz schlecht. Später entdeckte ich mein Interesse für die Philosophie. Dieses Fach habe ich dann auch zusammen mit Soziologie und Psychologie studiert. Heute beschäftige ich mich als Autor mit den Fragen, was ein glückliches Leben ist, wie Menschen miteinander friedlich und respektvoll umgehen können und wie eine gerechte Welt aussehen könnte.

Kommentare

  1. Katrin meint:

    Vorbild Nummer 4 und noch immer frage ich mich wieso genau Sokrates oder Goethe ein Vorbild für die Jungen heute sein sollen?
    Mir fehlt der Bezug zur männlichen Sozialisation, zur traditionellen Männlichkeit und den Umgang der von euch benannten Vorbilder damit. Wie erlebte Sokrates sein Junge sein, wie Goethe und wo liegen Bezugspunkte zu heute?

    • Leon Woczelka meint:

      die bezugspunkte zu heute? dürfen jungen keine positiven vorbilder haben? weshalb sollten diese männer KEINE vorbilder sein?
      klaffen hier anspruch und realität auseinander – oder sind alle männer per se zuerst skeptisch zu betrachten?

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