(von Alexander Ulfig)
Der in Frankfurt am Main am 28.8.1749 geborene Johann Wolfgang von Goethe war ein aufgeweckter Junge. Er lernte viel und das Lernen bereitete ihm Spaß. Man lernt am besten, wenn man dabei Lust und Freude empfindet, wenn das Lernen wie ein Spiel ist. Über seine Jugend schreibt er: „Ich will alles, was ich kann, spielend treiben, was mir eben kommt und solange die Lust daran währt.“ Wichtig ist dabei, dass man für sich selbst lernt und nicht für andere, sei es für Eltern oder Lehrer.
Sein dichterisches Talent war nicht angeboren, sondern das Ergebnis einer guten, erzieherischen Förderung. Goethe wurde besonders stark von seinen Eltern, aber auch von anderen Menschen aus seiner Umgebung gefördert. Kein Junge kann ohne Förderung vorankommen. Es bedarf immer Menschen, die einem Jungen nicht nur das nötige Wissen vermitteln, sondern ihn auch zu einer aktiven Auseinandersetzung mit der Welt anregen. Goethe selbst suchte als junger Mann das Gespräch mit interessanten Menschen. Der Umgang mit wichtigen Persönlichkeiten seiner Zeit, wie zum Beispiel mit Johann Gottfried Herder, hatte einen fördernden Einfluss auf seine Entwicklung.
Bereits im Alter von sechzehn Jahren verließ er sein Elternhaus, um seinen eigenen Weg zu gehen. Selbständigkeit und Freiheit waren ihm zeitlebens sehr wichtig. Er studierte Rechtswissenschaft in Leipzig und Sraßburg, interessierte sich aber neben seinem Studium auch für Theater, Malerei, Politik und vor allem Literatur.
Goethe wollte immer das Beste aus seinem Leben machen. Er wollte immer weiter gehen, sich entwickeln, sich verbessern. Das Wichtigste war für ihn die Bildung. Dabei dachte er nicht an eine Ausbildung, die man irgendwann mit einer Prüfung abschließen kann, sondern an ein lebenslanges Entfalten der eigenen Kräfte und Fähigkeiten. In seinem Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ schreibt er: „Alles, was uns begegnet, läßt Spuren zurück, alles trägt zu unserer Bildung bei.“ Bildung ist ein lebenslanges Lernen. Es wird nie abgeschlossen und begleitet den Menschen bis an sein Lebensende. Bildung sagt uns, wie wir das Leben meistern, wie wir es ordnen und ihm eine Richtung geben sollten – Bildung gibt uns Orientierung.
Um sich zu bilden und sich positiv zu entwickeln, sollte man sich nicht verschließen, sondern öffnen und soviel wie möglich aufnehmen. Goethe war offen für alles, was ihm begegnete, für Menschen, Natur, Wissenschaft, Politik und Kunst. Er las viel und interessierte sich für vieles. Unter Interesse verstand er Teilnahme an den Dingen.
Goethe verschwendete nicht seine Zeit. Er erweiterte ständig seinen Horizont und vermehrte seine Interessen. Um möglichst viele Eindrücke zu erhalten, reiste er viel. Er wusste ganz genau: Reisen bilden. Besonders viele Eindrücke brachten ihm seine zweite Italienreisen.
Es reicht aber nicht aus, offen zu sein und vieles aufzunehmen. Entscheidend ist, was man mit den aufgenommenen Eindrücken macht, wie man diese Eindrücke ordnet und verarbeitet. Das macht jeder Mensch anders. Goethe verarbeitete seine Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse mit Hilfe der Dichtung. Alles, was ihn beschäftigte, verwandelte er in Dichtung.
Goethe war zeitlebens darum bemüht, sowohl körperlich als auch geistig gesund zu bleiben. Die körperliche Gesundheit ist eine Grundlage für die geistige. Es kommt darauf an, sich zunächst „physisch in Gleichgewicht zu bewegen; alles andere gibt sich von selbst.“ Aber auch umgekehert: Ein gesunder, klarer Geist hat einen positiven Einfluss auf den Körper. Mit anderen Worten: Ein gesunder Geist weiß, was für den Körper gut ist. Körper und Geist bilden demnach eine Einheit.
Junge Menschen sollten – so Goethe – immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, „was nicht nur den Schein der Gesundheit“ bezwecke, sondern „was die Gesundheit selbst aufrecht erhalten solle“, und das ist: „Maß in allem“. Besonders wichtig ist die Mäßigung in allem, was den Menschen aus seinem Gleichgewicht bringen könnte. Dazu gehören zum Beispiel der übertriebene Konsum von Alkohol und anderen „Genußmitteln“ sowie die Ausrichtung des Lebens auf nur ein Interesse.
Goethe, der als der größte deutsche Dichter angesehen wird, starb am 22.3.1832 in Weimar.
Ausgewählte Bücher von Goethe: Die Leiden des jungen Werther, 1774; Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/96; Faust. Eine Tragödie, 1808; Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, 1811-33; Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1823.
Bücher über Goethe: R. Friedenthal, Goethe. Sein Leben und seine Zeit, 199117; H. Schipperges, Goethe – seine Kunst zu leben, 1996; T. Buck, Der Poet, der sich vollendet. Goethes Lehr- und Wanderjahre, 2008.
Filmdokumentation über Goethe:
http://www.youtube.com/watch?v=U7NMCAL0SyI&feature=related

