Vorbilder für Jungen
Mahatma Gandhi
von Dr. Alexander Ulfig
Der indische Menschenrechtler und Politiker Mahatma Gandhi wurde am 2.10.1869 in Porbandar an der indischen Westküste geboren. Er studierte von 1888 bis 1891 Rechtswissenschaften in England. Seit 1893 arbeitete er als Rechtsanwalt in Südafrika, in einem Land, das wie seine Heimat Indien zum britischen Weltreich gehörte. Er setzte sich als Rechtsanwalt für die Rechte von Minderheiten, insbesondere Hindus und Moslems, ein. Mehrfach wurde er verhaftet und zu Gefängisstrafen verurteilt. 1915 kehrte er nach Indien zurück und wurde schnell zum Führer der Befreiungsbewegung gegen die britische Kolonialmacht. Er organisierte gewaltlosen Widerstand gegen die Briten, zu dem unter anderem der Boykott von Wahlen und die Nicht-Beteiligung an der britischen Verwaltung gehörte. Gandhi wurde auch in Indien oft verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt. Doch das machte ihm nichts aus. Er glaubte fest an das, was er tat. Er solidarisierte sich mit den Schwächsten, mit den Kastenlosen, die die unterste soziale Schicht in der indischen Bevölkerung bildeten. Außerdem setzte er sich für eine Versöhnung zwischen religiösen Gruppen, insbesondere zwischen Hindus und Moslems, ein. Er forderte die völlige Unabhängigkeit Indiens. Dieses Ziel wurde 1947 erreicht. Am 30.1.1948 wurde Gandhi von einem fanatischen Hindu erschossen.
Gandhi gehört zu den bedeutendsten Menschen der neueren Geschichte. Er verband die Entfaltung der eigenen Person mit dem Einsatz für andere Menschen und für die Unabhängigkeit seines Landes. Wenn man sich für andere Menschen und für gute Ideen einsetzt, tut man auch etwas Gutes für sich selbst.
Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Gewaltlosigkeit sind wichtige Prinzipen von Gandhi. Sie geben dem Menschen viel Kraft. Mit dieser Kraft kann man den Gegner ohne die Anwendung von körperlicher Gewalt besiegen. Er nennt diese Kraft satyagraha.
Wichtig ist für Gandhi auch die geschlechtliche Enthaltsamkeit. Der Mensch soll seine Triebe kontrollieren und sich auf geistige Betätigungen konzentrieren. Geistige Betätigungen wie Nachdenken, Meditieren, Lesen und mit Menschen Reden verschaffen eine viel stärkere Befriedigung als der Geschlechtsakt.
Gandhi lehnte Reichtum und materiellen Besitz ab, verzichtete auf Fleischverzehr, war also ein Vegetarier, auf Alkohol und andere Drogen. Er machte sich viele Gedanken über die körperliche Gesundheit, denn sie ist die Voraussetzung für klares Denken und ein glückliches Leben.
Gandhi führte ein einfaches Leben. Das Spinnrad, ein Werkzeug zur Herstellung von Textilien, wurde zum Symbol dieses Lebens und zum Symbol der Selbständigkeit, auch der Selbständigkeit Indiens. Indien sollte nicht mehr auf die Textilimporte aus England angewiesen sein. Gandhi selbst arbeitete regelmäßig am Spinnrad und stellte seine eigenen Kleider her.
Ein weiteres Lebensprinzip ist für Gandhi die Selbstlosigkeit. Im selbstlosen Tun, in der Selbstvergessenheit, erreicht der Mensch die höchste Vollkommenheit und das höchste Glück. Er erreicht das durch das Tun, das heißt in der Arbeit und im respektvollen und liebenden Umgang mit anderen Menschen.
Gandhi ist bis heute ein Symbol für gewaltlosen Widerstand, Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Sein Einsatz gegen Benachteiligungen jeglicher Art und für die Rechte von Schwachen ist bis heute vorbildhaft. Bei diesem Einsatz sollte man sich nicht einschüchtern lassen, sondern mutig seine Überzeugung vertreten. Von Gandhi stammt der Satz: „First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win“ (erst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich, dann gewinnst du).
Bücher über Gandhi: H. Rau, Mahatma Gandhi in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, 1970; D. Rothermund, Mahatma Gandhi, 1997; S. Arp, Gandhi, 2007.
Und hier noch ein Film über ihn.

Leider war Gandhi auch ein Rassist. In puncto Wahrnehmung der Schwarzen teilte er die Ansicht der britischen Kolonialherren, obwohl deren Problem dem seiner indischen Landsleute nicht so unähnlich war. Was beweist, dass man vor einem ähnlichen Problem, wenn es sich um andere Menschen handelt, auch als moralischer Mensch blinde Flecken haben kann, bzw. seiner Zeit nicht immer voraus ist. Das soll ihm allerdings nicht zu Lasten gelegt werden.
Gandhi konnte nur zu “Mahatma” werden, weil die englischen Kolonialherren eben letztlich keine “Herren” sondern wohl eher “Gentleman” waren. Hätte Gandhi dies damals in Deutschland probiert, wäre er wohl, wie viele andere auch, einfach ermordet worden. Das muss alles mit ins Kalkül gezogen werden, wenn man Gandhi hier als Helden darstellt.
Ein Held kann nur ein Held sein, wenn das Umfeld eben nicht so böse ist, wie es eigentlich sein sollte, um die Abgrenzung zu einem Nicht-Helden herstellen zu können.
In einer christlichen Gesellschaft ist es leicht “Franz von Assisi” zu werden, in einer faschistischen schon schwieriger und in einer kommunistischen gänzlich unmöglich.
Jaa Nase nase nase nase