Bundestags-Vizepräsident Thierse betont Vorbildrolle der Väter

Wolfgang Thierse

Hildesheim (epd).

Der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse (SPD), hat dafür plädiert,  die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerade für Männer zu verbessern. Statt das Kindergeld zu erhöhen sollte die Politik mehr in Kindergärten und Schulen investieren, sagte Thierse am Wochenende in Hildesheim.
Der Politiker warnte jedoch davor, dass manche Eltern ihre Kindern überforderten. In seinem Berliner Wahlkreis am Prenzlauer Berg erlebe er, wie Eltern der bürgerlichen Mittelschicht zu ehrgeizig und mit aller Macht das Potenzial der Kinder entfalten wollten.
Thierse gehörte zu dem Podiumsgästen beim zweiten landesweiten Männertag der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. In der Diskussion hob er die Vorbildrolle von Vätern hervor. Er habe von seinem Vater gelernt, sich nicht anzupassen, sagte Thierse. Das habe ihn für sein ganzes Leben geprägt. Sein Vater habe nicht etwas für richtig befunden, nur weil andere es so sahen, sagte der ostdeutsche Politiker, der zu DDR-Zeiten Kritik an der Staats- und Parteiführung geübt und deswegen seinen Beruf verloren hatte.
Kirchen können Thierse zufolge ein Ort sein, an dem Werte und Überzeugungen vorgelebt werden. “Das ist gerade das Spektakuläre der christlichen Botschaft, dass alle die gleiche Würde haben”, sagte der Politiker und katholische Christ. Auch Verlierer, Kranke oder Sterbende würden nicht ausgegrenzt.
Der Göttinger Neurobiologe und Hirnforscher Gerald Hüther ergänzte, dass die Kirchen den Menschen Mut machen könnten. Die Politik sei dazu nicht in der Lage. Ein Heranwachsender benötige einen im christlichen Verständnis “liebenden Vater”, sagte Hüther. Dieser müsse dem Sohn vorleben, dass man sich nicht auf Kosten anderer stark machen dürfe.
Der Landessuperintendent des Sprengels Hildesheim-Göttingen, Eckhard Gorka, berichtete von seinem Großvater, der ihn geprägt habe. “In der Rückschau werden all diejenigen zu Vorbildern, die uns hilfreich zur Seite gestanden haben”, sagte Gorka. Dennoch müsse der Mensch nicht überhöhten Idealen nachfolgen, sondern Fehler und Ängste akzeptieren.
Der Berliner Politikwissenschaftler Peter Döge hob hervor, dass auch Jesus Christus oder Martin Luther Vorbilder für die Jugend seien könnten: “Beide waren starke Männer.” Luther sei zum Beispiel ein guter Vater gewesen und habe mit Katharina von Bora eine nach damaligen Verhältnissen gleichberechtigte Beziehung geführt. Auch heute müssten sich die Männer vielmehr als Familienväter definieren und Angebote wie die Elternzeit nutzen. Internet: www.evlka.de (3022/13.6.10)

Jetzt wird deutlich, dass es vielleicht auch in der SPD ein Umdenken geben muss. Immerhin war diese Partei so vermessen, in einem Grundsatzprogramm alles Männliche zu verdammen. Es wird schwer, solche Positionen zu halten, wenn ein derart prominentes Mitglied der Partei solche ganz und gar gender-mainstream-kritischen Töne von sich gibt.

Danke an AGENS für den Link.

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