Richtig, manche Jungen sind hyperaktiv, manche haben wohl ADHS etc. doch nicht alle Jungs sind gleich krank, nur weil sie auffallen.
Dass Jungen auffällig sind, hängt nicht zuletzt mit der Wahrnehmung zusammen – zum einen derer, die sie auffällig finden, und ihrer eigenen…
Einen sehr differenzierten Artikel habe ich hier in der WELT gefunden. Einige Ausschnitte:
Doch dort ist Pauls Ideenreichtum offenbar nicht gefragt. Nach dem Wandertag häuften sich die Klagen: Paul bringe Unruhe in die Klasse, er breche zu oft aus dem Schema aus. Beate Heintze war verunsichert. Und steht damit nicht allein. Nach einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung fühlen sich 47 Prozent aller Eltern in der Erziehung überfordert, Mütter mehr als Väter. Und oft sind es die Jungs, die die Eltern ratlos machen. Längst zählen sie in der Schule zu den Verlierern. Sie machen seltener Abitur, brechen häufiger die Schule ab, und landen immer öfter in der Sonderschule.
Die Entwicklung ist nicht neu. Doch nur wenige setzen sich wie der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Bergmann intensiv mit den Ursachen auseinander. Der Leiter des Instituts für Kinderpsychologie und Lerntherapie in Hannover hat zunehmend Jungen in seiner Praxis, die mit dem traditionellen Unterricht nicht erreicht werden, und das führe zu mächtigen Konflikten: „Jungen lassen sich leichter von modernen Medien beeinflussen. Sie sind sehr schnell, haben großen Bewegungsdrang und sind visuell ungeheuer tüchtig. Doch im Auditiven sind sie oft passiv und hören nicht gezielt zu. In der Schule aber steht das Auditive im Vordergrund.“ …
Dabei ist es nicht so, dass sie alles auf Pauls Lehrerin schieben will. Aber sie vermisst die Zusammenarbeit mit der Lehrerin, obwohl sie oft den Dialog gesucht hat. Sie fühlt sich alleingelassen und findet es ungerecht, dass Kinder zwar Förderunterricht bekommen, wenn sie in ihren fachlichen Leistungen Defizite haben, nicht aber, wenn sie Schwierigkeiten haben, sich zu organisieren und mit ihrer Kraft umzugehen.
Auf solche Probleme ist die Schule nicht eingestellt. In den 70er-Jahren hat sie zwar unter dem Druck der Frauenbewegung angefangen, Mädchen spezifisch zu fördern, eine Lobby, die sich jetzt für die Jungen starkmacht, gibt es bislang aber nicht. Überhaupt habe sich in den vergangenen 30 Jahren in der Schule nichts Entscheidendes verändert, glaubt Wolfgang Bergmann.
