Familien : Hamburg will Jungen stärker fördern

Hamburgs Kindergärten und Schulen sollen Jungen stärker als bisher fördern. Das fordern jetzt die Bürgerschaftsfraktionen von CDU und GAL in einem gemeinsamen Antrag. Fachleute sprechen bereits von gravierenden Versäumnissen und einer grundlegenden Benachteiligung des ehemals “starken Geschlechts”.

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Es ist offebar auch bei den Verantwortlichen angekommen, dass es so wie bisher nicht weitergeht…

Nach Ansicht der Koalitionsfraktionen soll der Landesjugendhilfeausschuss um ein neues Mitglied ergänzt werden, das Erfahrung in der geschlechtsspezifischen Arbeit mit Jungen vorweisen kann. Eine überregionale Stelle für die Vernetzung und Beratung von Jungenprojekten soll eingerichtet, eine Fachtagung organisiert und ein Netzwerk am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung aufgebaut werden. Funktions- und Beratungslehrerstunden sollen für die geschlechtsspezifische Arbeit eingesetzt werden. „Es ist eine wichtige gesellschaftliche und politische Aufgabe, den Jungen bei der Suche nach ihrer Identität jenseits von Rollenklischees zu helfen“, sagt Christiane Blömeke.

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Auch die Faz bringt das Thema auf den Punkt:

Zwei Jahre alt ist das Lied, mit dem sich Jungs schon immer hätten identifizieren können. Es stammt von den Ärzten und heißt ganz einfach „Junge“. Und schon in der ersten Zeile kommt es auf den Punkt: „Junge, warum hast du nichts gelernt?“ Ja, warum nur? Weil Jungs eben Jungs sind, wie sie es schon immer waren, es aber heute nicht mehr sein können. Wie Aliens werden sie behandelt, ihr Verhalten wird als pathologisch betrachtet, die Freiräume, die ihre Väter noch hatten, um sich auszutoben, gibt es nicht mehr. Und also werden sie als medizinische Fälle registriert, wer früher ein Zappelphilipp war, hat heute ein Aufmerksamkeitsdefizit und wird mit Medikamenten ruhiggestellt.

Jungen werden ausgegrenzt, zu Versagern gestempelt und versagen tatsächlich, weil Eltern, Lehrer und Gesellschaft mit ihnen nichts anfangen können. Die „Jungenkatastrophe“ ist da, die wissenschaftlichen Befunde über den Erfolg der Mädchen und den Misserfolg der Jungen liegen auf dem Tisch. Und ein paar Schlüsse daraus lägen auf der Hand, man müsste sie nur ziehen.

Der Film „Jungs auf der Kippe“, den das SWR Fernsehen heute Abend zeigt, liefert dafür eine Handreichung. In ihm stellt der Autor Harold Woetzel vier Jungs vor, die als typische Härtefälle erscheinen: Der fünfzehnjährige Michael aus Mannheim bekam schon als Grundschüler das Psychomittel Ritalin verabreicht; Marcel aus Freudenstadt brüstet sich mit seinen vierzehn Jahren damit, locker eine halbe Flasche „Danni“ wegzupicheln, „Danni“ steht für Jack Daniels, und wenn er den intus hat, wird Marcel gefährlich. Der dreizehnjährige Samir lebt allein mit seiner Mutter und ist zerrissen zwischen seiner jugoslawischen Herkunft und seiner neuen Heimat; den vierzehnjährigen Maxi wollen die Lehrer ob seiner Renitenz einfach nur noch loswerden und an die Sonderschule abgeben. Nur ein Lehrer bewahrt ihn noch davor, ein handfester Erzieher, der seine Schüler auch körperlich fordert und zum Marathonlauf animiert. Maxi sei „wie ein Sechser im Lotto“, sagt der Lehrer, nur müsse jemand bereit sein, den Gewinn auch abzuholen.

Kommentare

  1. Cobra meint:

    Der film ” jungs auf der kippe” auch auf youtube!

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