Wie Jungen als Opfer ausgeblendet werden

… beschreibt Manndat in einem offenen Brief an Frauenministerin Köhler. Hier ein Auszug:

Sehr geehrte Frau Ministerin Schröder,
im Brennpunkt der medialen Debatte zum Missbrauch steht derzeit die katholische Kirche, weil diese seit jeher höchste moralische Ansprüche an ihre Mitglieder stellt. Beim medial ausgekosteten moralischen Absturz der Kirchen und Kirchenmänner wird deshalb vor allem Augenmerk auf die Täter gelegt.
Unsägliches Leid wird hier beschrieben. Aber etwas ist anders als bei früheren Missbrauchs-debatten. Hier handelt es sich um Jungen, die massenhaft missbraucht wurden. In der Dis-kussion über die Missbrauchsopfer ist jedoch lediglich allgemein von „Kindern“, „Zöglingen“ oder „Opfern“ die Rede. Das Wort „Jungen“ kommt den Medienverantwortlichen ebenso schwer über die Lippen wie den Politikern. Nicht nur Fachleute, wie der Psychologe Peter Mosser von der Münchener Opferberatungsstelle Kibs, der an dem „Runden Tisch zu den Missbrauchsfällen“ teilgenommen hat, sind enttäuscht, dass die spezifischen Aspekte männ-licher Opfer außen vor blieben. Offenbar haben die Öffentlichkeit, die Medien und die Politi-ker Probleme mit männlichen Opfern.
Seit sexueller Missbrauch enttabuisiert wurde, ging es weniger um Kinder allgemein, son-dern speziell um Mädchen, die missbraucht wurden. Für Jungen als Opfer war und ist wenig Platz. Gewalt gegen Frauen und Mädchen „kommt nicht in die Tüte“, wie es so schön auf Aktionen mancher Bäckereien heißt, Gewalt gegen Jungen offenbar schon. Dabei sind Jungen laut polizeilicher Statistik und WHO-Studien häufiger Opfer von Gewalt als Mädchen. Die Vernachlässigung von Jungen als Gewaltopfer ist deshalb nicht sachlich gerechtfertigt. Die Gesellschaft will aber keine schwachen, männlichen Opfer, nur männliche Täter.
Dabei handelt es sich nicht nur, wenn auch mehrheitlich, um männliche Täter. Aber seit Bar-bara Kavemann schon vor über zehn Jahren auch auf weibliche Täterschaft hinwies, stehen Täterinnen nach wie vor unter dem Schutz politischer Tabuisierung.

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