Sexualisierte Gewalt ist schlimm. Gleichgültig wen sie trifft. Doch es gibt hierzulande Unterschiede in der Wahrnehmung und Verarbeitung der Taten.
Zuerst die öffentliche Wahrnehmung:
- sind Mädchen durch männliche Täter betroffen, so reagiert die Gesellschaft und die Politik, ja selbst die Justiz sehr heftig und vor allem schnell.
- sind Jungen durch Täter betroffen, so sieht die Angelegenheit schon anders aus. Hier wird schnell das Thema Homosexualität ins Spiel gebracht, obgleich Gewalttaten nie primär sexuelle Orientierungen als Motiv haben.
- sind Jungen (oder Mädchen) von weiblichen Täterinnen betroffen, so ist noch jetzt das Schweigen ungeheuer gr0ß.
Ein Teil der öffentlichen Wahrnehmung bzw. Veröffentlichungen der jetzigen Skandale in Presse und anderen Medien ist jetzt noch ziemlich skandalös:
In der WELT von heute ist ein eindrückliches Beispiel zu finden:
Der Kirchenorden hat jahrelang sexuellen Missbrauch und Gewalt gedeckt
München – Über Jahrzehnte hinweg hat der Jesuitenorden sexuellen Missbrauch und Gewalt gegen Kinder in seinen Einrichtungen systematisch vertuscht. Das geht aus dem Abschlussbericht hervor, den die Missbrauchsbeauftragte des Ordens, Ursula Raue, gestern vorstellte.
Seit Bekanntwerden von Missbrauchsfällen am Berliner Jesuiten-Kolleg im Januar hätten sich 205 Opfer sexueller Gewalt beim Orden gemeldet, bestätigte die Rechtsanwältin. Die Vorwürfe richteten sich gegen zwölf Patres, von denen bereits sechs verstorben seien, und gegen zwei weltliche Mitarbeiter. Die Übergriffe hätten sich vor allem zwischen den 60er- und 80er-Jahren ereignet. Betroffen seien neben der Berliner Einrichtung die Schulen St. Ansgar (Hamburg), St. Blasien (Schwarzwald), das Aloisiuskolleg (Bonn) sowie die ehemalige Jesuiteneinrichtung Immaculata (Büren/Westfalen).
Was lernen wir?
Es gibt also Opfer, Kinder und Täter. Kein Wort davon, dass jetzt in diesen Skandalen mit wenigen Ausnahmen hauptsächlich Jungen durch die Gewalt von Männern betroffen sind.
Auf diese Weise wird die spezielle Betroffenheit von Jungen wieder ausgeblendet. So kann sicher kein Klima geschaffen werden, in dem es Jungen von heute leicht fällt, sich als Opfer zu outen. Und: die Politik tut ihr Übriges dazu…
