Bremen (epd). Jungen sind nach Angaben von Experten oft Opfer von Gewalt, werden aber zumeist nur als Täter wahrgenommen. “Auf der Straße geht zwar 80 Prozent der Gewalt von Jungen aus, 70 Prozent der Opfer sind aber auch Jungen”, sagte der Bremer Soziologe und Therapeut Volker Mörchen am Donnerstag in einem Gespräch mit dem epd. Männliche Opfererfahrungen würden in der Öffentlichkeit weitgehend verleugnet, kritisierte der Mitarbeiter des Bremer “Jungenbüros” im Vorfeld einer Fachtagung an diesem Freitag in der Hansestadt.”Jungen erleben sexuelle Gewalt im sozialen Umfeld, Mobbing in der Schule, körperliche Gewalt auf der Straße und häusliche Gewalt”, erläuterte Mörchen. So gebe es alleine in Bremen im Jahr 50 Anzeigen wegen sexueller Gewalt an Jungen. “Die Dunkelziffer liegt zehnmal höher.” Viele Jungen redeten nicht gerne über ihre Gewalterfahrungen, weil sie sich nach dem Motto “Mann oder Opfer” als Versager fühlten: “Die Opferrolle ist für sie mit Scham besetzt.” Deshalb bestehe die Gefahr, dass sie sich die Unterlegenheit selbst anlasteten.
Bei Gewalt etwa in der Schule gelte die Aufmerksamkeit fast ausschließlich den Tätern, kritisierte Mörchen. “Angebote für Opfer werden oft vergessen.” Doch es gebe nachweislich viele Jungen, die täglich diffamiert würden. In der Folge könnten sie sich nicht richtig konzentrieren und nicht zuhören. Ihr Selbstwertgefühl werde verletzt, was von sozialer Isolation über Panikattacken bis zu massiven psychischen Erkrankungen führen könne.
Endlich wird dieses THEMA einmal aufgegriffen. Zwar hat der Evangelische Pressedienst nicht ganz so viele Leser(innen) aber immerhin wird das Dilemma von Jungen einmal thematisisert.

