Forschung über Amok-Taten

Die Bedrohung früh erkennen - Südwest Presse Online_1259828875386Amokläufe an Schulen sind selten. In Deutschland gibt es etwa einen vollendeten Fall pro Jahr. Für Wissenschaftler heißt das: Statistisch verlässliche Aussagen über potenzielle Folgetäter sind schwierig zu treffen. Dennoch gibt es Möglichkeiten für eine Risikoeinschätzung, sagt Prof. Reinmar du Bois, Leiter der Klinik für Kinderpsychiatrie am Stuttgarter Olgahospital. „Alle bisherigen Amokläufer hatten schwerwiegende psychiatrische Probleme.“ …

Bei einem Schulamokläufer muss eine Menge zusammenkommen, betont du Bois, der auch Gutachter im Winnenden-Prozess ist. Da sei zum einen das Persönlichkeitsprofil des weitgehend sozial isolierten jungen Menschen, der sein Heil in ausgiebigen Gewaltspielen am Computer sucht und dort starke Suchttendenzen entwickelt. Das allein reiche jedoch nicht aus – sonst gäbe es tausende Amokläufer. Zwingend hinzu kommen psychiatrische Aufälligkeiten, etwa Depressionen. Viele potenzielle Amokläufer beschäftigten sich intensiv mit dem Thema „Tod“, auch mit ihrem eigenen. Der zweite Amokläufer-Prototyp ist der autistisch wirkende und oft auch nach außen hin skurril auftretende Jugendliche, der nicht zwischen Phantasie und Realität unterscheiden kann. Vergleichsweise selten ist der Psychopath: unempathisch, gefühlskalt und mit einer Freude an Gewalt.

…Für Fegert ist der freie Zugang zu Schusswaffen ein zentrales Problem, „auch wenn das banal klingt“. Außer dem Psychopathen, der sich die Waffe notfalls mit Gewalt besorge, scheiterten die übrigen Amoklaufkandidaten in der Regel an der Beschaffung, sagt Fegert. Ausnahme: Waffen sind im häuslichen Bereich frei verfügbar.

Kurz zusammengefasst bedeuten diese Ergebnisse eine eindeutige Kampfansage in Richtung all derer, die noch immer von Killerspiel-Jungen-sind-frauenfeindlich-und-per-se-gewalttätig-Fantasien geplagt werden.

Deine Meinung ist uns wichtig

*


*