Ein Mann, kein Wort. Über sexualisierte Gewalt gegen Jungen

Gerade habe ich einen sehr lesenswerten Artikel im Tagesspiegel gefunden, den ich hier nicht vorenthalten will. Er ist fast schon so etwas wie das Update unseres Artikels über Frau Bergmann, denn er stellt eine klar heraus:

Bei denen, die durch  Täterinnen vergewaltigt wurden, gibt es viele Hemmnisse, aufzudecken…

Ganz plötzlich hat er im Winter öffentliche Aufmerksamkeit gefunden, der sexuelle Missbrauch an männlichen Heranwachsenden. Wenn es nicht nur ein „Medien-Hype“ ist, besteht die Chance, dass die Hilfsangebote für die Opfer sich verbessern werden. „Die Diskussion hat an Fahrt gewonnen, als das Thema die Gutsituierten erreicht hat“, sagt jedenfalls der Sozialwissenschaftler Dirk Bange, der einige Studien zum Thema gemacht hat und heute beim Amt für Familie, Jugend und Sozialordnung in Hamburg tätig ist.

Vor allem wenn ein sexueller Übergriff auf einen Jungen von einer Frau kam, gebe es in vielen Fällen eine lebenslängliche Wahrnehmungsblockade: „Die Männer empfinden es als beschämend, wenn eine Frau die Täterin war.“ Über Mütter als Täterinnen zu sprechen, verletze zusätzlich ein Tabu: „Mama ist nicht böse.“ Auch die nichtverwandten Bezugspersonen aus dem schulischen oder Freizeit-Umfeld mögen die Jungen meist zu gern, um sie wirklich in der Täterrolle zu sehen. Darüber, dass die Täter meist Erwachsene sind, die bei Jugendlichen ausgesprochen beliebt sind, wurde in den letzten Monaten ja ausführlich diskutiert. Noch dazu setzen Lehrer, Trainer oder Geistliche die Jugendlichen häufig unter Druck, so dass sie sich zum Schweigen verpflichtet fühlen. „Unter diesen Umständen erbringt jeder Junge, der über Missbrauch sprechen kann, eine reife Leistung“, sagt Bange.

Inzwischen haben unzählige erwachsene Männer, die als Schüler Übergriffe erlebt haben, diese Leistung erbracht. Allein die Rechtsanwältin Ursula Raue, Beauftragte des Jesuitenordens zur Untersuchung von Missbrauchsfällen, hat über 200 Meldungen erhalten. Dass es so lange gedauert hat, bis die Opfer sich meldeten, habe wahrscheinlich mit der kritischen Masse zu tun, die dafür erst erreicht werden musste, sagte Raue auf der Fachtagung. Sie machte noch einen zweiten Grund aus: „Einige schrieben auch, sie hätten sich geschämt, dass sie die nächsten Schüler nicht beschützt hätten, sie hätten deshalb all die Jahre nichts sagen können.“

Hier ist der Artikel zu finden.

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