Amok-Schock, und leider keine Sendung über Jungs…

Das Fernsehprogramm wurde auf allen Kanälen gestern permanent aktualisiert, um der multimedialen Aufbereitung des Amoklaufes gerecht zu werden. Eigentlich wollte ich heute über einen Fernsehbericht im SWR schreiben, der sich mit der Jungenproblematik beschäftigt. Doch es kam anders: Ein 17Jähriger lief Amok und tötete 16 Personen.

Dass die Jungenproblematik eventuell Mitauslöser der Tat sein könnte, und dass es eine dringende Veränderung der Jungenarbeit geben müsste, wird leider nicht gesehen oder ist eben nicht wichtig genug, dass darüber berichtet wird.

Doch etwas anderes fällt auf: Alle reden davon, dass dieser Täter doch so “normal” und vor allem “so still” gewesen sei, dass sich keiner hätte vorstellen können, dass eben jener Junge einmal ein Amoktäter wird.

Bereits seit fast 20 Jahren berichten Fachleute widerholt darüber, dass Gewalttäter in der Regel eher aggressionsgehemmt und  überangepasst sind – doch es scheint nichts zu nützen – alle wundern sich immer wieder, wie ein so ruhiger cooler Typ zu einer solchen Tat fähig ist…

Noch etwas ist auffällig:
Alle Journalisten und Experten mußten gerstern aktuell aufgrund fehlender wirklich stichhaltiger Fakten über die Motivlage des Täters spekulieren. Und das taten sie -  auch wie immer: hauptsächlich jungenfeindlich.

Besonders hevorgetan hat sich gestern Steffen Seibert vom ZDF, der mehrfach hervorhob, dass der Täter eben Schülerinnen und Lehrerinnen umbrachte – und daher den Zusschauern geradezu nahelegte, eine Eifersuchtstat eines “typisch bösen” Jungen gegen die “armen” und “lieben”  Mädchen und Frauen anzunehmen.

Sicher, wenn man als Medienmacher über etwas berichten muss, von dem nichts wirklich bekannt ist, so ist man auf Spekulationen angewiesen. Wie diese Spekulationen bei Herrn Seibert  jedoch ausfielen, ist bemerkenswert.

Er versuchte gestern einem ausgewiesenen Kriminologen geradezu suggestiv die positive Andersartigkeit der Mädchen und Frauen in den Mund zu legen – und scheiterte, denn dieser bestand darauf, dass auch Mädchen und Frauen zu Amoktaten fähig sind.

Es ist damit zu rechnen, dass vielleicht nichts über die wahren Motive des Täters mehr zu erfahren sein wird – schließlich  ist er tot.

Doch genau diese fehlenden Fakten werden dann mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Faktum umgedeutet und dazu benutzt werden, erneut eine Hälfte der Jugend zu dämonisieren: die Jungen.

Das Motto lautet: Wenn sie laut sind, sind sie böse, und wenn sie leise sind, auch.

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  1. Wie die “Emma” investigativ den Amoklauf aufklärte… : Webjungs - News sagt:

    [...] hatte ja bereits gestern über die Spekulationsblasen von Steffen Seibert (ZDF) geschrieben, doch offenbar waren die eifrigen ForenteilnehmerInnen der [...]

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