Der „Mädchen-Tag“, wie er ja in korrektem Deutsche eigentlich heiße müsste, sollte den weiblichen Nachwuchs schon von der 5. Klasse an für Berufe interessieren, die der typischer weise nichts in Auge fasst. Also mehr Technikinteresse bitte, das dann mehr Ingenieurinnen statt Friseurinnen oder Übersetzerinnen hervorbringt. Sicher alles richtig, schon allein angesichts der demografischen Entwicklung. Das Potential muss schließlich gehoben werden. Seit zehn Jahren nun gibt es diesen Tag – mit ehrlich gesagt dürftigem Erfolg.Bei den Jungen soll es nun umgekehrt zugehen. Auf ihrem „Jungen-Tag“ sollen die vermeintlichen Technik-Freaks und Raufbolde nun für die klassischen Frauenberufe interessiert werden. Sicher auch nicht falsch. Denn es wäre ja schön, wenn es mehr Erzieher gäbe und mehr Grundschullehrer. Ob es allerdings überhaupt noch zeitgemäß ist, diese Berufsorientierungstage wiederum getrennt geschlechtlich zu organisieren, steht wirklich in Frage.Die Ministerin ihrerseits verfolg mit dem neuen Boy’s Day ab 2011 ein hehres Ziel: Sie hofft, das Jungen-Problem überhaupt in den Griff zu bekommen, fehlten den lieben Kleinen in Kindergarten und Schule doch ganz offenbar die richtigen Rollenvorbilder.Nicht ganz falsch, aber doch irgendwie sehr kurz gedacht, finden Sie nicht, liebe Frau Unverzagt?
Zwar scheint auch zur Ministerin inzwischen durchgedrungen, dass Jungen in der Schule schlechter abschneiden als Mädchen und viele der Jugendprobleme, über die in Deutschland immer wieder diskutiert wird, nun einmal hauptsächlich „Jungenprobleme“ sind. Doch wirkt vor diesem Hintergrund das Ansinnen, vom nächsten Jahr an einen Boy`s Day zu institutionalisieren, wie Aktionismus und in seiner Naivität sogar auch noch ein wenig trist.Denn: Bringt er uns bessere Jungen und engagiertere Väter? Nicht wirklich. Um den Schwierigkeiten auf den Grund zu gehen, die die Jungen von heute in unseren Bildungssystemen von gestern haben, müsste man sich wohl ein bisschen mehr einfallen lassen als das. Am Ende geht es vor allem darum, die Jungs irgendwie durch die Schule zu bringen, am besten bis zum Abitur. Denn ist das erst einmal geschafft, kann man sich sicher sein: Die Jungen haben am Ende die Nase vorn, sie bekommen die besseren Gehälter und erzielen damit die höheren Bildungsrenditen. Und die jungen Frauen haben das Nachsehen. Übrigens obwohl sie seit Jahren angeblich von einem Girl’s Day profiteren.
Ein kluger Kommentar, in Gänze lesenswert.
Besonders die Idee, die Bildungsrenditen einmal zu vergleichen, hat es mir angetan.

[...] Ein Boy’s Day wird’s nicht richten… [WebJungs] [...]