Stabilisierungsminister Jung: Es gibt keinen Krieg in Afghanistan – oder: “Es hat niemand die Absicht, eine Mauer zu errichten”.

Trotz der bislang größten Militäroffensive in Nord- Afghanistan: Verteidigungsminister Franz Josef Jung will den Bundeswehr-Einsatz am Hindukusch weiter nicht als Krieg bezeichnen. Es sei ein Stabilisierungseinsatz, sagte Jung in Berlin. Er warnte davor, die Sprache der Taliban zu übernehmen, die sich selbst als Krieger darstellten. Die Bundeswehr setzt in Afghanistan erstmals auch Panzer ein. Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan begründete das damit, dass der Raum Kundus sich negativ entwickelt habe.

Jung: Kein Kriegseinsatz in Afghanistan – sueddeutsche.de

Minister JungWer Jung´s Sätze jetzt schlicht als Verarsche der Bevölkerung empfindet, wird unserem Minister einfach nicht gerecht.
Der warnt ja nur davor, die Sprache der Taliban zu übernehmen, denn die wollten ja Krieg und als Krieger gesehen werden. Und das darf einfach nicht geschehen – so schärft er uns in belehrender “guter Onkel-Manier” ein.

Mal ehrlich: Wen interessiert es eigentlich – unseren Verteidigungs-Linguistik-Minister einmal ausgenommen – was die Taliban am Hindukusch denken, wenn sie mitbekämen, wie ein ranghoher Politiker in Deutschland seine immer profaner werdenden Worthülsen absondert?
Ich vermute: Niemanden. Doch Minister Jung ist der Meinungsbildungsprozess bei den Taliban offenbar wichtiger, als der der Bevölkerung im eigenen Land.

Tatsache ist: Es ist Krieg am Hindukusch – Krieg, Krieg und nochmals Krieg. Es sterben Menschen, die vorwiegend männlich sind. So ist das in allen Kriegen bisher gewesen. Die anderen Menschen – auch die weiblichen -  in Deutschland haben ein Anrecht , dies zu erfahren, um  so vielleicht mehr gegen Kriege und jenen  Zwangsdienst für Männer (der Wehrpflicht heisst) zu protestieren.

Und diejenigen Männer, die kriegstraumatisiert aus Afghanistan  zurückkehren, haben ein Anrecht darauf, auch als traumatisierte Kriegsheimkehrer wahrgenommen zu werden, anstelle sich selbst als “Stabilisierungseinsatz-traumatisiert” sehen zu müssen.
Es ist schlichte Schönrederei, die Jung hier betreibt – und die grenzt an eine verbale Vergewaltigung der Wahrheit.
Doch welcher Politiker kümmert sich heute noch um Wahrhaftigkeit?

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