Die “Beschwichtigungen in Berlin” hätten dazu geführt, dass sich die Soldaten im Einsatz alleingelassen fühlten, “vernachlässigt und unverstanden von der Politik. Zu wenige waren sie, und ohne schwere Waffen, die zu sehr nach Krieg ausgesehen hätten.” Viele kritische und verzweifelte Stimmen fangen die Autoren bei Afghanistan-Besuchen ein. Unterbelichtet bleiben jedoch das Innenleben im Bendlerblock, die Entlassung Schneiderhans, der Planungsstab unter der wohl eher künstlerischen Leitung des historisch-politischen Bildners Ulrich Schlie. Zu pauschal erfährt der Leser nur, dass das Ministerium die “moderne Aufstandsbekämpfung” und die Bekämpfung der heimtückischen IED-Sprengsätze “verschlafen” haben soll.
Immerhin knüpfen die Autoren Hoffnungen an den neuen Generalinspekteur Wieker, der sich zuvor in Afghanistan als Chef des Stabes bei dem (am 23. Juni abberufenen) Isaf-Kommandeur McChrystal bewährte, und an Guttenberg. Der Minister habe mit der Verlegung von Panzerhaubitzen nach Kundus – eine feuerte am vergangenen Wochenende erstmals fünf Schüsse gegen die Taliban ab – eine militärische “Fähigkeitslücke” geschlossen, “deren Existenz sein Vorgänger im Amt stets geleugnet hatte”. Es sei eine “unbequeme, symbolträchtige Entscheidung” gewesen.
Guttenberg wird dafür gelobt, dass er Ende 2009 vom “nicht-internationalen bewaffneten Konflikt” in Afghanistan sprach, später zutreffend vom “Krieg”, und am 24. April 2010 die undankbare “Rolle des ersten Grabredners der Nation” annahm, ja bei der Trauerfeier für vier Gefallene mit seinem “Ruhet in Frieden, Soldaten!” rhetorisch glänzte. Dies markiere “einen Wendepunkt” in der Wahrnehmung des Einsatzes, eines “verkorksten Krieges”, wie die Autoren bilanzieren: “Die Soldaten, die wir nach Afghanistan schicken, sind ungleich besser als die Institution, in der sie dienen.”
Die Soldaten wollten “halbwegs intakt aus einem Krieg” zurückkehren, während das Verteidigungsministerium “noch immer als größtes, schmutziges Schlachtfeld politischer Intrigen” gelte. Daher darf man gespannt sein, wann der mutige Freiherr denn sein “Wachet auf, Generale und Ministeriale!” ausruft. An diesem Mittwoch findet die Buchvorstellung von “Ruhet in Frieden, Soldaten!” in einem Berliner Edelcafé statt. Der Verteidigungsminister will dort erscheinen.
RAINER BLASIUSJulian Reichelt/Jan Meyer: Ruhet in Frieden, Soldaten! Wie Politik und Bundeswehr die Wahrheit über Afghanistan vertuschten. Fackelträger Verlag, Köln 2010. 224 S., 16,95 [Euro].
Die FAZ rezensiert eine Schrift über unsere Bundeswehr, die offenbar sehr lesenswert ist.
Wer wissen möchte, wie mit jungen Männern umgegangen wird, die “unsere Freiheit am Hindukusch” verteidigt haben und dann getötet wurden, sollte hier weiterlesen.



