Beim Surfen im Netz bin ich wieder mal auf die Seite von JETZT.SUEDDEUTSCHE.DE gestoßen, auf dem am Wochenende diese suggestive Frage gestellt wurde.
In dem Artikel – von eine Redaktuerin geschrieben – heißt es geradezu schwärmerisch:
Ich habe so einige männliche Bekannte, die das Gedankenspiel nicht unrealistisch bis ziemlich verlockend finden, in Zukunft den modernen Familienmann par excellence zu geben. Wäre doch toll, so ein Ausflug in die ruhige Welt der Häuslichkeit, sagen sie: „Mehr Zeit für mich, kein Druck von außen und vielleicht kann ich endlich mal ein Buch schreiben.“ Bravo, klatschen daraufhin die Mädchenseelen. Irgendwer muss den Heimwerkerjob ja machen, noch besser, wenn ihr euch freiwillig meldet. Solltest auch du mit dieser Option liebäugeln, überlegst du es dir hoffentlich nicht doch anders, denn:
- Du wirst in dieser Zeit immer zu Hause telefonisch erreichbar sein
- Kochen und Putzen bleibt am Ende immer an dir hängen
- Du bist derjenige, der abends erzählt, was Paul heute schon wieder gemacht hat
- Dein Bewegungsradius erstreckt sich nur noch bis zum Spielplatz und zum Supermarkt
- Du wirst Minderwertigkeitskomplexe erleiden, wenn dir in der Öffentlichkeit die unvermeidliche „Und was machst du?“-Frage gestellt wird
- Manche deiner Freunde werden dich deshalb langweilig finden
- Wir lieben dich dafür, aber vielleicht finden wir dich manchmal auch langweilig
- Möglicherweise wird das mit dem Buch doch nichts
- Dein Arbeitgeber schiebt dich nach dem Elternurlaub auf einen unwichtigen Posten abWenn dich das nicht abschreckt, bist du der mutigste Junge der Welt. Also?
Was die Autorin an Fragen vielleicht noch hätte einfügen können – auch um dem Ganzen einen etwas realistischeren Anstrich zu geben – wäre vielleicht so zu ergänzen:
- Bist du in der Lage, dich auf das Experiment einzulassen, deine Freundin oder spätere Frau überhaupt zu bitten, für dich und euren Nachwuchs zu sorgen, ohne gleich zu befürchten, sie erklärt dich für verrückt?
- Kannst du dich mit der Unsicherheit anfreunden, bei einer möglichen Trennung nicht zu wissen, ob dann durch sie auch für dich ggf. Unterhalt gezahlt wird, oder gehst du eh davon aus, dass in dem Fall du sofort arbeiten müsstest, um für deine Ex und das Kind Unterhalt zu zahlen?
- Oder gehst du eher von der Vermutung aus, dass dies nur angenehme Gedankenspiele sind, da die meisten Freundinnen oder jungen Frauen im “Ernstfall” sowieso schnell wollen, dass du für die Familie sorgst, und von daher schon der Traum einer kurzen Elternzeit platzt? …
Die Realität in der Gedankenwelt von Jungen und jungen Männern von heute sieht häufig anders aus. Die meisten Jungs sehen sich noch immer in der Rolle des zukünftigen Ernährers einer Familie.
Und das wird sich erst dann ändern, wenn es gleichzeitig für junge Frauen immer selbstverständlicher wird, einen gutbezahlten und damit anstrengenden Job zu ergreifen und eine Karriere zu planen, die eben auch vorsieht, neben den gewünschten Kindern einen Hausmann zu ernähren, ja sogar u.a. auch für seine Altersvorsorge mit zu planen usw…
Weitere Aufzählungen erspare ich mir hier, denn Träumen soll ja schließlich erlaubt bleiben.
