Häufig wird über Gewalttaten dann berichtet, wenn die Opfer auch ins Schema passen: Also: Frauen und Kinder, beonders Mädchen. In Kolumbien wird deutlich, dass die Opferverteilung sich nicht immer an unsere politische Korrektheit hält.
“Falsos positivos“ – „falsche Erfolge“ werden sie genannt, die jungen Männer, die in Kolumbien für Prämien und Statistiken getötet wurden. Damit die Armee Siege im Kampf gegen die Rebellen melden konnte, wurden Tausende Zivilisten in Krisengebiete gelockt, ermordet und als gefallene „Terroristen“ deklariert. Denn jeder tote Guerillero ist für die Regierung ein Erfolg, ein „positivo“.
Diesem System zum Opfer fiel auch Víctor Gómez. Seine Mutter Carmenza macht Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe und dessen wahrscheinlichen Nachfolger Juan Manuel Santos für Víctors Tod verantwortlich. „Ich will, dass die Mörder bestraft werden“, sagt Carmenza Gómez trotzig. Viel hat sie für diese Überzeugung schon riskiert. …
Ab 2004, zwei Jahre nach dem Amtsantritt Uribes, hätten sich die Fälle von „falsos positivos“ mit „verstörender Häufigkeit quer über Kolumbien“ verbreitet, heißt es in Alstons Bericht. Genaue Zahlen gibt es nicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in über 2.300 Fällen, die Dunkelziffer liegt viel höher. Für die Regierung, die sich für ihre Politik der harten Hand feiern lässt, haben sich die „falsos positivos“ zum größten Skandal der vergangenen Jahre ausgewachsen.
