Homohass unter Jugendlichen: Kampagne will Schweigen und Mobbing verhindern

Die Alternative zum Outing heißt: Versteckspiel. So wie bei Kevin, 22. Er lebt in Köln, kommt aber aus dem Sauerland. In Winterberg war er engagiert im Schützenverein und wurde sogar Jungschützenkönig. Er war Messdiener und sogar im Pfarrgemeinderat – mittendrin statt nur dabei in der Dorfgemeinschaft. “Aber als das Gerücht aufkam, ich könne schwul sein, kam jemand aus dem Dorf auf mich zu und fragte: ‘Kevin, ich hab da was gehört, bist du schwul?’ Ich war total schockiert und habe erstmal alles abgestritten. Er sagte: ‘Gott sei Dank, sonst hätte ich auch nie wieder ein Wort mit dir geredet.’”Freitagmittag, kurz vor Schulschluss. Kevin steht vor seiner alten Schule und erzählt: Bloß nicht auffallen war seine Devise, auch was Klamotten anging. Heute sind seine Haare rötlich gefärbt und hochgegelt, er trägt modische Jeans. Auf dem Weg zu seinem alten Klassenzimmer wird Kevin ruhiger, setzt sich schließlich auf einen der leeren Stühle: “Ich sehe noch meine Mitschüler hier sitzen, wie damals.” Es sei “ein Wahnsinnsgefühl”, jetzt als geoutet hier zu sein. “Die ganze Last ist weg, ich habe endlich zu mir gestanden. Damals hatte ich oft Angstzustände.”Sein neues Selbstbewusstsein will Kevin nun nutzen, um mit denen zu reden, die ihm damals das Leben so schwergemacht haben. Sein ehemaliger Direktor Bernd Loffing empfängt Kevin zum Gespräch. Erst jetzt erfährt er, dass sein früherer Schüler schwul ist. “Ich hätte nicht in deiner Haut stecken wollen, Kevin”, sagt Loffing sofort und meint, dass ein Outing wohl sehr schwer gewesen wäre. “Ich hätte aber auch nicht mit diesem Druck leben wollen, der sich innerlich aufbaut. Vielleicht hättest du dich ja zumindest uns Kollegen gegenüber outen können?”

“Schüler nutzen jede vermeintliche Schwäche”

Als Kevin wissen will, ob Lehrer auf solche Situationen vorbereitet seien, zögert der Direktor nur kurz. Im Kollegium wäre das vermutlich kein Problem gewesen, schätzt er: “Schwieriger wäre es sicherlich bei den Schülern. Jugendliche sind heutzutage brutal. Sie nutzen jede vermeintliche Schwäche, das hättest du vermutlich zu spüren bekommen.”

Die Lehrergewerkschaft GEW sagt, dass “schwul” und “Schwuchtel” heute die häufigsten Schimpfwörter auf dem Schulhof sind. Almut Dietrich vom Projekt “Schule ohne Homophobie” fordert deshalb ein engagiertes Eingreifen von Lehrern, auch wenn auf den ersten Blick niemand konkret gemeint ist. Allein der Gebrauch von “schwul” als Schimpfwort schaffe “eine Atmosphäre der Intoleranz, in der sich niemand mehr outen wird”. Studien belegen, wie sehr sich das Klima an deutschen Schulen bereits in diese Richtung entwickelt hat: Einer Umfrage der Marktforscher von iconKids & youth zufolge finden über zwei Drittel der Jungen und die Hälfte der Mädchen Lesben und Schwule “überhaupt nicht gut”.

Ihnen fehlen Vorbilder bei der Generation der Eltern und Großeltern.

Homohass unter Jugendlichen: Zum Schweigen verdammt – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – SchulSPIEGEL

Spegel Online hat noch  folgenden Link epfohlen: http://www.schule-der-vielfalt.de/

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