Klar, Alice Schwarzer durfte gestern bei Anne Will nicht fehlen. Schhließlich geht es um die Wahrheit, ihre nämlich.
Die Spiegel-Frau übernimmt in diesem Fernsehgericht die Rolle der Verteidigerin des Angeklagten. Bereits im April habe die Staatsanwaltschaft Mannheim gewusst, dass das vermeintliche Opfer in Teilen die Unwahrheit gesagt habe. Diese Ungereimtheiten in der Aussage der einzigen Belastungszeugin gegen Kachelmann hätten aber erst in der vorigen Woche dazu geführt, dass der dringende in einen hinreichenden Tatverdacht umgewandelt – und Kachelmann freigelassen worden sei, doziert die erfahrene Prozessbeobachterin.
Friedrichsen: “Man hat ihn sitzen lassen, man hat ihn sitzen lassen, man hat ihn sitzen lassen.” Am Tag der Haftaufhebung hatte sie bei Spiegel Online im Stil eines Fans kommentiert: “Endlich! Die Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe war überfällig.” Der Fall Kachelmann belege, dass von einem Prominentenbonus längst nicht mehr die Rede sein könne, “eher von einem Malus”. Den beschuldigten Kachelmann nennt sie einen “Luftikus” und “notorischen Fremdgänger”. Aber Vergewaltiger?
“Das wird dem Ernst der Sache nicht gerecht”, echauffiert sich Alice Schwarzer über die luftige Vulgär-Psychologie der Spiegel-Reporterin. Wenn das Liebesleben des Wettermoderators tatsächlich dem medial gezeichneten Bild entspreche, sei dieser “ein ziemlicher gestörter Mensch, der in Therapie gehört”, sagt die Frau von Emma. Kachelmann soll bekanntlich gleichzeitig Beziehungen zu mehreren Frauen unterhalten und dabei große Liebe vorgespiegelt haben.
“Sind Sie jetzt die Richterin über Herrn Kachelmann”, kontert Friedrichsen.
Die Emma-Chefredakteurin unterstellt der Gerichtsreporterin des Spiegels bei Anne Will, für sie gebe es ja sowieso keinen Sexualstraftäter, der nicht unschuldig sei oder eine “brutale Mutter” habe. Den Schlusssatz in Friedrichsens Spiegel-Kommentar – es wird auf ein “überfälliges Wunder” im Fall Kachelmann gehofft – deutet Schwarzer als Wunsch eines Freispruchs für Kachelmann. Als Friedrichsen sich gegen diese Interpretation ihrer Worte wehrt, wird sie kurzerhand abgebügelt: “Sie sind wirklich ein dreister Vogel!”
Hier geht die Satire weiter…
Männer in die Therapie! Natürlich bei den moralisch guten Frauen. Und Frau Schwarzers Psyche? Die ist heile, na klar!

