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Filmliste für Jungen

BenutzerBeitrag

12:34
11.08.10


Leon Woczelka

Admin

Beiträge 135

Beitrag 06:12 – 22.03.11 bearbeitet von Leon Woczelka


Filme für Jungen

Dr. Alexander Ulfig hat eine Jungen-Film-Liste zusammengestellt, die wir hier veröffentlichen. Wir bitten um Ergänzungen!

 

Jungen lesen zu wenig. Das weiß man

mittlerweile und man tut etwas dagegen. Die Organisation MANNdat, die

sich für die Rechte von Jungen und Männern einsetzt, hat eine

Jungenleseliste veröffentlicht: 

http://www.manndat.de/index.php?id=236

 

Jungen schauen sich lieber Filme an.

Meist sind es Action-Filme oder billige Komödien. Nichts gegen Spaß

und Unterhaltung, aber es gibt nachdenkliche, anspruchsvolle Filme,

die den Jungen helfen, sich selbst und die Welt besser zu verstehen.

 

 

Hier einige Filme, die ich ausgewählt

habe:

 

OLIVER TWIST (Großbritannien 1948,

Regie: David Lean, nach dem gleichnamigen Roman von Charles Dickens):

Oliver wächst in einem Waisenhaus auf und soll in der Familie eines

Beerdigungsunternehmers leben und arbeiten. Er flieht nach London, wo

er in die Fänge einer Bande von Taschendieben gerät. Doch es findet

sich jemand, der dem Jungen ein neues, behütetes Zuhause gibt. Am

Ende siegt die Menschlichkeit.

Tipp: Auch andere Verfilmungen von

„Oliver Twist“ sind zu empfehlen.

 

DEUTSCHLAND IM JAHRE NULL (Italien

1948, Regie: Roberto Rossellini): Edmund, ein 12-jähriger Junge,

kümmert sich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg im zerstörten

Berlin um den Lebensunterhalt seiner Familie. Ein Film über die

schrecklichen Folgen eines Krieges und ihre Auswirkungen auf die

Psyche eines Jungen. Der Film wurde in den Filmkanon für die Arbeit

an Schulen der Bundeszentrale für politische Bildung aufgenommen.

Tipp: Für ältere Jungen geeignet. Im

Internet zu sehen unter:

http://www.youtube.com/watch?v…..0DzGX3xla8

 

IWANS KINDHEIT (Sowjetunion 1962,

Regie: Andrei Tarkowski): der 12-jährige Iwan, dessen Eltern und

Schwester von deutschen Soldaten umgebracht wurden, kämpft bei den

sowjetischen Partisanen als Kundschafter. Ein Film über eine

verlorene Kindheit und den Einfluss des Krieges auf das Leben eines

Jungen.

Tipp: Für ältere Jungen geeignet.

 

KOLYA (Tschechien 1996, Regie: Jan

Sverak): Der Prager Cellist Louka geht eine bezahlte Scheinehe mit

einer Russin ein. Doch bald zieht sie weiter nach Westdeutschland und

lässt ihren 5-jährigen Sohn Kolya zurück. Obgleich Louka Russen

nicht mag und anfangs mit dem Jungen nichts zu tun haben möchte,

entwickelt sich zwischen beiden langsam eine Vater-Sohn-Beziehung.

 

BILLY ELLIOT – I WILL DANCE

(Großbritannien 2000, Regie: Stephen Daldry): Billy, der Sohn eines

Bergarbeiters, folgt nicht dem Vorschlag seines Vaters, am

Boxunterricht teilzunehmen. Er entscheidet sich stattdessen für den

Ballettunterricht. Trotz Widerstände seitens der Familienmitglieder

baut er mit Hilfe seiner Ballettlehrerin sein Talent für das Tanzen

aus. Er setzt sich schließlich durch und geht seinen eigenen Weg.

Auf die richtige Förderung und die Durchsetzungskraft kommt es an.

 

NICHOLAS NICKELBY (USA 2002, Regie:

Douglas McGrath, nach dem gleichnamigen Roman von Charles Dickens):

Der 19-jährige Nicholas zieht nach dem Tod seines Vaters mit Mutter

und Schwester nach London. Sein Onkel verschafft ihm eine Anstellung

als Lehrer in einem Internat für Jungen. Dort lernt er das Leiden

der Internatsschüler kennen, die vom Internatsleiter und seiner Frau

dransaliert werden. Nicholas flieht aus dem Internat zusammen mit

einem Schüler, dem behinderten Smike. Für die beiden beginnt eine

Odyssee und eine Freundschaft, die Vieles überdauert.

 

DAS WUNDER VON BERN (Deutschland 2003,

Regie: Sönke Wortmann): Für den 11-jährigen Matthias ist Fußball

die große Leidenschaft. Sein Vater kehrt nach elf Jahren aus der

russischen Gefangenschaft zurück. Nur langsam kommen sich Vater und

Sohn näher. Erst das gemeinsame Interesse für Fußball schafft ein

Band zwischen beiden.

 

DIE KINDER DES MONSIEUR MATHIEU

(Frankreich 2004, Regie: Christophe Barratier): Clément Mathieu

erhält in Frankreich der 50er Jahre eine Anstellung als Aufseher und

Musiklehrer in einem Internat für schwer erziehbare und verwaiste

Jungen. Sie werden von den Lehrern schlecht behandelt und hart

bestraft. Mathieu widersetzt sich diesen Methoden. Er weckt in den

Jungen das Interesse für Musik, indem er einen Chor gründet. In

jedem Jungen stecken ungeahnte Talente.

 

VITUS (Schweiz 2005, Regie: Fredi F.

Murer): Der 6-jährige Vitus ist ein hochbegabter Junge, ein

musikalisches Talent. Während seine Eltern wenig Zeit und

Verständnis für ihn haben, wird für ihn sein Großvater zur

wichtigsten Vertrauensperson. Er schenkt ihm die notwendige

Aufmerksamkeit. Auch ein Genie braucht Vertrauen und Verständnis.

 

"In einer besseren Welt":

Dass In einer besseren Welt ins Rennen um den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film geht, ist keine Überraschung. Den Golden Globe Award für den besten fremdsprachigen Film hat er schon erhalten, und auch sonst ist Regisseurin Susanne Bier an Auszeichnungen gewöhnt. Bereits mit Nach der Hochzeit war sie für den Oscar nominiert, für Open Hearts und Brothers – Zwischen Brüdern erhielt sie mehrere dänische Filmpreise.

Und wie es sich für einen Oscar-Beitrag gehört, hat die Regisseurin nicht an Dramatik gespart. Gleich zwei emotional aufgeladene Geschichten erzählt sie in ihrem neuen Werk parallel. Während Anton (Mikael Persbrandt) als Arzt in einem afrikanischen Flüchtlingslager um das Leben der Menschen kämpft, wird sein Sohn Elias (Markus Rygaard) in der Schule von einer Bande älterer Jungen gemobbt. Dass Anton und seine Frau Marianne kurz vor der Scheidung stehen, macht das Leben des Jungen nicht leichter.

Erst als Christian (William Johnk Nielsen) mit dem Vater in die gleiche Kleinstadt zieht, verlässt Elias die Außenseiterposition. Denn sein neuer Freund scheut die Auseinandersetzung mit dem Stärkeren nicht und verteidigt Elias auch mit Gewalt gegen den Anführer der Bande. Doch auch Christian kämpft mit seinen eigenen Traumata. Erst vor kurzem hat er seine Mutter verloren, von seinem Vater Claus (Ulrich Thomsen) zieht er sich seither zurück. Die Mühe, mit der Claus sich seinem Sohn wieder anzunähern versucht, ist qualvoll mit anzusehen. Was soll ich nur machen, fragte er seine Mutter und Christians Großmutter einmal. Doch ihre Eltern haben von nichts eine Ahnung, davon sind beide Kinder überzeugt.

 

11:22
12.08.10


Andreas Rheinhardt

Member

Beiträge 13

Beitrag 14:31 – 12.08.10 bearbeitet von Hausmeister Thorsten


Hallo,

 

gute Idee.

Wie wäre es mit Lord of the Flies (das Original von 1963) von Peter Brook? Hier wird zwar Gewalt von und an Jungen thematisiert, da aber keine friedfertigen Frauen/Mädchen auftreten, wird Gewalt in diesem Film als menschliches und nicht nur männliches dargestellt (was auch die Intention von William Golding war (man kann den Film mit der Lektüre verknüpfen)). Außerdem sind die Jungen dort nicht nur gewalttätig, es gibt auch vernünftige Ansätze, die sich leider nicht durchsetzen.

Oder auch Au Revoir les Enfants (Auf Wiedersehen, Kinder) von Louis Malle? Neben der Darstellung des Schicksals von Juden ist hier (für unsere Zwecke) besonders hervorzuheben, dass hier Jungen auftreten, die gut in der Schule sind, ohne die üblichen damit verbundenen negativen, v.a. Jungen betreffenden Klischees aufzuweisen (mit letzterem ist gemeint, dass gut in der Schule sein in heutigen Filmen/Serien bei Mädchen positiver dargestellt wird — z.B. bei den Simpsons wird Martin Prince als sozialer Außenseiter dargestellt, Lisa dagegen nicht so sehr, ihre Figur ist viel positiver). (Ein weiterer interessanter Film von Malle ist "Le souffle au coeur" bzw. Herzflimmern. )

Ein weiterer Film mit einem guten Schüler (der Hauptdarsteller belehrt in diesem Film sogar seine Schwester, wie wichtig die Schule ist — und er bleibt glaubwürdig!) ist Swinki (auch: Ich, Tomek). Hier geht es um einen polnischen Schüler, der an der deutsch-polnischen Grenze wohnt und sich aus Geldnot prostituiert. Die Deutschen werden hier differenziert, d.h. nicht als Monster dargestellt; und auch wenn es keine Freierin gibt, so sind die weiblichen Figuren doch keine Engel. 

Oder Jet Boy (gibt es nicht auf Deutsch, aber bei amazon.com kann man es bestellen). Hier geht es um einen Strichjungen, der sich (nachdem seine Mutter sich den goldenen Schuss gegeben hat) per Anhalter durch die USA durchschlägt.

Wer weibliche Mißbraucher sehen will, sollte sich Clement (deutsch: Viel zu jung — kam zwei mal auf Arte (oder war es 3Sat?); weder die deutsche noch die französische Version sind auf DVD erschienen, aber im Netz findet man Aufzeichnungen der Arte-Version) ansehen. Zwar übernimmt hier der Junge die erste Initiative, aber nach der von ihm eingeleiteten Trennung wird er von der Frau de facto mißbraucht (und es wird auch nichts beschönigt — so nach dem Motto: "Der Junge wollte es"). Irgendwo im Internet habe ich gelesen, dass die Regisseurin (die gleichzeitig Hauptdarstellerin ist) den Film auf einem Fall aus ihrer Umgebung (Familie?) aufgebaut hat.

"Der Navigator" (kam vor einiger Zeit auf Arte, es gibt eine englischsprachige DVD; mit Hilfe der Ausstrahlung habe ich endlich die deutsche Tonspur) hat eine sehr ungewöhnliche Geschichte und einen sympatischen Jungen als Hauptdarsteller; für eine Inhaltsangabe sei auf Wikipedia verwiesen.

In keiner Filmsammlung für Jungen darf "Die Brücke" fehlen. (Der Film basiert auf einer Autobiographie.)

Wer mit kirchlich mißbrauchten Jungen zu tun hat, sollte vielleicht "The Boys of St. Vincent" (gibt eine deutsche Synchronisation, aber anscheinend nur für TV-Aussatrahlungen und nicht für DVDs) oder "Song for a Raggy Boy" (über Mißbrauch in Irland) benutzen. Wer sich speziell mit Irland auseinandersetzen will, sollte vielleicht noch Evelyn (mit Pierce Brosnan) in Erwägung ziehen.

"Pelle der Eroberer" ist auch noch gut. (Basiert auch auf einem Buch.)

Ebenso kann ich "Mons Fils a Moi" empfehlen; zu diesem Film existieren m.W. bisher nur englische Untertitel, Synchronisationen fehlen völlig. Hierbei geht es um eine Mutter, die ihren Sohn überbehütet und nicht akzeptieren kann, dass er sich im Zuge seiner Entwicklung von ihr lösen muss. Im Zuge der Streitigkeiten fängt sie auch an, ihn zu schlagen.

Auch "Les Amities Particularies" zeigt Jungen, die sich für die Schule anstrengen und dennoch authentisch bleiben. Hier könnte man darüber nachdenken, ob so eine Liebesbeziehung überhaupt erlaubt sein sollte oder wie sich die Pater verhalten haben. (Dieser Film basiert auf einem Buch (welches ich nicht gelesen habe)).

Sollen die hier empfohlenen Filme eigentlich alle einn Jungen in einer tragenden Rolle haben oder genügt es, wenn sie zum Nachdenken anregen? Dann würde ich z.B. auch den Leopard (von Visconti) empfehlen, weil er die gängige Auffassung, wonach der Gang der Weltgeschichte Fortschritt darstellt, in Frage stellt. (Auch dieser Film basiert auf einem Buch.)

 

Andreas

14:25
12.08.10


Hausmeister Thorsten

Admin

Beiträge 12

Beitrag 14:33 – 12.08.10 bearbeitet von Hausmeister Thorsten


Klasse! So wünsche ich mir das… Vielen Dank für die Arbeit!

Um die Frage zu beantworten: Ich finde nicht, dass Jungen die Hauptrolle spielen müssen, sondern dass die ""Jungenwelten" dargestellt sein sollten.

16:28
19.08.10


Andreas Rheinhardt

Member

Beiträge 13

Hallo,

 

mir ist inzwischen noch "Der Vorleser" eingefallen. Auch hier sind die Männer intellektuell (Bruno Ganz ist ein Universitätsprofessor, der Hauptdarsteller ist "der Vorleser",…); auch werden den Zuschauern KZ-Wärterinnen nahegebracht (das ist wirklich ein Abbauen von Rollenstereotypen). Dieser Film bietet interessante Diskussionsthemen: Die Frage, ob die sexuelle Beziehung zwischen den Hauptfiguren moralisch einwandfrei ist (wegen des Alters), die Frage nach der Beteiligung von Frauen am 3. Reich im Allgemeinen und am Holocaust im Besonderen, die Frage nach der Bewertung des Holocausts im Film (siehe den Kritikteil auf Wikipedia).

Eine ganz besonders schöne Geschichte ist die von William Kamkwamba aus Malawi: "Er wurde in seinem Heimatland berühmt, als er 2001 in Masitala eine Windmühle
aus blauem Eukalyptus,
Fahrradteilen und Material vom örtlichen Schrottplatz baute, um einige
elektrische Geräte im Haus seiner Familie anzutreiben. Seitdem hat er
eine solarbetriebene Wasserpumpe, die sein Dorf zum ersten Mal mit
Trinkwasser versorgt und zwei weitere Windmühlen [...].

Als er die Schule unterbrechen musste, weil seine Familie das Schulgeld (~ 80 US$) nicht
bezahlen konnte, bildete er sich selbst weiter, in dem er die
Dorfbücherei besuchte. Dort entdeckte er das Buch Using Energy
(Energie benutzen) und sah darin das Bild und die Erklärung einer
Windmühle." Eine Kurzdokumentation über ihn gibt es bei Youtube; eine längere Fassung wird derzeit produziert und soll Ende 2010 fertig sein (Quelle). Bei der Geschichte fällt mir insgesamt die Diskrepanz zum üblichen Bild, das die Medien hierzulande über Männer in Entwicklungsländer (insbesondere über schwarze Männer) so oft vermitteln (nämlich, dass sie nicht arbeiten, sondern alles ihre Frauen machen lassen, dass sie ihr Geld nur versaufen, verhuren oder für Glückspiel ausgeben (während Frauen es ihren Familien zu Gute kommen lassen und allgemein zuverlässiger sind, weshalb man ihnen, nur ihnen Mikrokredite gibt), dass sie quasi den ganzen Tag damit beschäftigt sind, ihre Frauen zu schlagen und zu vergewaltigen und dass sie allgemein kriminell sind, inklusive Korruption (siehe z.B. dieses Interview); außerdem beschneiden sie natürlich ihre Töchter). Ich glaube irgendwie, dass in diesem Bild Feminismus und Rassismus eine Allianz eingegangen sind.

Wie dem auch sei: Diese Geschichte (zu der es auch ein Buch gibt) verdient es, bekannt gemacht zu werden (nicht nur hier im Forum, sondern auch auf der Webseite).

 

Andreas

16:51
19.08.10


Hausmeister Thorsten

Admin

Beiträge 12

Nochmals vielen Dank!

22:48
23.08.10


Andreas Rheinhardt

Member

Beiträge 13

Hallo,

 

mir sind inzwischen noch zwei Dinge eingefallen (in denen übrigens kein Kind missbraucht wird):

Zum einen "Kramer gegen Kramer": Hierbei handelt es sich um einen preisgekrönten (z.B. 5 Oscars) Film über eine Scheidung und den anschließenden Sorgerechtsstreit, der vor allem durch seine Fairness beeindruckt. Kann vielleicht als Grundlage für Gespräche mit Scheidungskindern (beiderlei Geschlechts; das Kind im Film ist ein Junge) dienen. Die Handlung kann man z.B. bei wikipedia nachlesen.

Und dann wäre da noch "Das goldene Ding" (gemeint ist das goldene Vließ). Hierbei handelt es sich um die Geschichte von Jason und den Argonauten, welche allerdings Kinder sind. Aus der Homepage des Regisseurs Edgar Reitz: "Im Gegensatz zur überlieferten Sage überwinden die Argonauten
hier Gefahren nicht aufgrund ihres heldenhaften Mutes oder der
Unterstützung der Götter, sondern durch Vernunft. Die göttlichen Mächte
sind logisch erklärbar und die Argonauten gelangen ans Ziel, weil sie
ihren naturwissenschaftlich geschulten Verstand anwenden und nichts den
Göttern überlassen." Dazu kann man dann auch noch z.B. Gustav Schwab lesen. Leider ist der Film nur als Teil einer Edgar Reitz-Sammlung erhältlich, welche recht teuer ist.

 

Andreas

10:54
25.08.10


Leon Woczelka

Admin

Beiträge 135

Vielen Dank für Deine Hilfe!