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Jutta Allmendinger über die Probleme von Jungen

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BenutzerBeitrag

04:59
15.11.10


Andreas Rheinhardt

Member

Beiträge 13

Hallo,

 

Jutta Allmendinge, die feministische Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, sagt im aktuellen Fluter, dem Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, in einem Interview ziemlich viel. Nachdem am Anfang behauptet wird (vom Interviewer, sie führt das dann aus), dass "Frauen weniger verdienen als Männer im selben Job für dieselbe Tätigkeit" (und dabei gibt es doch schon seit Jahrzehnten keine Tarifverträge, die zwischen den Geschlechtern unterscheiden, mehr; weswegen ja auch heute auf "gleichwertiger" Arbeit herumgeritten wird), kommt der Interviewer einige Seiten später auf das Geschlechterthema zurück, worauf Allmendinger mit einem biologistischen "Mädchen sind reifer"-Argument die Unterschiedlichen Bildungserfolgt erklärt:

"Wenn man die Noten und die Abschlüsse betrachtet, schneiden
Jungen auf allen Ebenen schlechter ab. Jungen durchlaufen andere
Entwicklungsphasen als Mädchen. Sie hinken den Mädchen
ein Jahr, manchmal auch länger, hinterher. Da wir aber
eine Kultur haben, die auf schnell erlerntes und sofort zu reproduzierendes
Wissen setzt, sind die Jungen automatisch die Verlierer,
alleine schon durch die genetischen und biologischen Voraussetzungen."

Danach wird darauf eingegangen, dass Mädchen auch schon früher zu mehr Verantwortung erzogen werden (wäre es umgekehrt, würde man behaupten, dass die patriarchalische Erziehung Mädchen nichts zutraut und sie geringschätzt (so geschieht es übrigens auch in der Mädchen-Physik-Debatte), und würde z.B. Aufklärungskampagnen für Eltern und Lehrer fordern, die sie darüber belehren, dass Mädchen mindestens genauso reif sind wie Jungen). Dann wird ihnen auch noch teilweise selbst die Schuld in die Schuhe geschoben:

"Es ist nicht schön, wenn man im Kollektiv erlebt, schlechter abzuschneiden.
Da entwickeln sich kollektive Reflexe: Alle Lehrer
bevorzugen Mädchen, heißt es dann, oder: Alle Jungs sind genauso
schlecht wie ich. Diese jungen Männer richten sich in einer
Jungmänner-Kultur maximal ein."

Dass inzwischen (z.B. LAU 5 in Hamburg, QUASUM in Brandenburg oder jüngst die Studie ihres eigenen Hauses (siehe oben)) herausgefunden wurde, dass Mädchen im Durchschnitt bei gleichen Leistungen bessere Noten bekommen, kommt nicht vor.

Dann offenbart sich noch einmal ihre Ratlosigkeit:

"Wie kann man diese Kulturen auflösen?

Indem schon die Schule mehr von dem anbietet, woran Männer
Interesse haben. Damit sie auch mal Hand anlegen und draußen
praktisch etwas machen können.

Aber handwerkliche Fähigkeiten werden doch in einer modernen
Dienstleistungsgesellschaft gar nicht mehr nachgefragt.

Es ist in der Tat ein Problem, dass diese traditionellen Männerarbeiten
im industriellen Sektor immer weniger nachgefragt werden.
Wir müssen also diese jungen Männer von heute schon in
der Schule viel mehr auf so genannte Mädchenjobs vorbereiten.
Es gibt zwar viele Programme, um Frauen in von Männern dominierten
Berufen Fuß fassen zu lassen, aber komischerweise
ganz wenige Programme für Männer in Frauenfächern – die
aber die Fächer der Zukunft sind. Wir werden in einer alternden
Gesellschaft zum Beispiel mit Sicherheit viel mehr Pflegepersonal
brauchen. Aber wer schult bitte junge Männer, damit sie solche
Arbeiten übernehmen können?"

Vielleicht war das erste ihre ehrliche Meinung und erst danach ist sie auf Neue Wege für Jungs-Regierungslinie abgebogen!?

 

Fazit: Dass man Jungen ohne öffentlichen Aufschrei biologische Minderwertigkeit (nichts anderes ist "Jungen sind unreifer"!) zuschreiben kann, ist ungeheuerlich. Und dennoch ist es so.

 

MfG

Andreas

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