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"Jungs sind an allem schuld"

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BenutzerBeitrag

01:53
15.11.10


Andreas Rheinhardt

Member

Beiträge 13

Beitrag 02:00 – 15.11.10 bearbeitet von Andreas Rheinhardt


Harald Martenstein schreibt in seiner Kolumne im Tagesspiegel über Schwarzers Äußerungen über die schulischen Probleme von Jungen darüber, dass sie hier mit zweierlei Maß misst:

"Jungs sollten [laut Familienministerin Schröder, A.R.] speziell gefördert werden. Jede Gruppe, die Probleme

hat, wird speziell gefördert, jetzt also sind die Jungs an der Reihe.

Dieser Äußerung hat Alice Schwarzer heftig widersprochen. Die Probleme

der Jungs hingen nicht mit fehlender Förderung oder falschen

Unterrichtsstilen oder den nicht vorhandenen männlichen Vorbildern

zusammen, sondern – vor allem – mit den falschen Vorstellungen von

Männlichkeit, die sich im Kopf der Jungs befinden. Bei Problem-Jungs

gelte es „als uncool, zu lernen, und als cool, zu pöbeln und Pornos zu

konsumieren“.

Das ist, ich wiederhole mich, nicht ganz falsch,

und doch wundert man sich. Denn vor ein paar Jahren, als vor allem über

die Probleme von Mädchen und jungen Frauen diskutiert wurde, kam niemand

auf die Idee, sämtliche Förderpläne und Quotenregelungen mit der

schroffen Bemerkung zurückzuweisen, das Problem befinde sich vor allem

im Kopf der Mädchen, ein falsches Frauenbild, die Mädchen müssten sich

halt mehr Mühe geben, wenn sie Erfolg haben möchten."

Ich habe das dort auch schon kommentiert:

"Sehr gut erkannt und geschrieben. Perfekt wäre es gewesen, wenn sie auch

noch darauf hingewiesen hätten, dass Feminist(inn)en wesentlichen

Anteil daran hatten, dass das heutige Männerbild diesem pöbelnden

Neandertaler-Macho entspricht. Denn das frühere männliche Rollenbild

sah ganz anders aus. Laut der Aussage von vielen inzwischen älteren

Menschen waren z.B. in den 60er Jahren Winnetou und Old Shatterhand die

Vorbilder von Jungen (sie haben das dann auch nachgespielt und die

Bevölkerung ist in Scharen in die Kinos gegangen). Dieses traditionelle

Männerbild unterscheidet sich hierbei sehr von dem feministischen

Männerbild (welches heutzutage fälschlicheweise häufig als traditionell

bezeichnet wird)."

Inzwischen ist mir noch eingefallen, dass es eigentlich erst dann wirklich perfekt gewesen wäre, wenn er auch dazugeschrieben hätte, dass nicht nur Frau Schwarzer, sondern auch viele andere mit zweierlei Maß messen (vgl. z.B. meinen Kommentar hier oder das Wissenschaftszentrum Berlin, aber auch die Bundeskanzlerin, die bei direktzu immerhin schrieb/schreiben hat lassen:

"Tatsächlich ist Gleichberechtigung an den Schulen Realität, weshalb

Mädchen aufgrund ihres Entwicklungsvorsprungs, größeren Fleißes und

höherer Lernmotivation im Vorteil sind. Eine gezielte Jungenförderung

ist allerdings keine Lösung."

Wenn sich Mädchen nicht so sehr für Naturwissenschaften interessieren, unterstellt man ihnen auch nicht mangelnden Fleiß oder gar ein Entwicklungsdefizit, sondern meistens bekommen sie spezielle Förderprogramme (zu denen es oft nicht einmal auch Jungen offenstehende Äquivalente gibt) und nicht selten wird Jungen und Männern (direkter oder unterschwelliger) Sexismus unterstellt (z.B. die Jungen "drängen sich nach vorne", die Lehrer "trauen Mädchen nichts zu"; auch dass Männer angeblich so oft sexistische Witze/Sprüche äußern oder Frauen/Mädchen unsittlich berühren und dadurch ein frauenunfreundliches Klima schaffen sollen, gehört hierzu; auch der Vorwurf "Frauen tauchen nicht auf!" (angeblich wird die Leistung großer Frauen systematisch verschwiegen und schafft es nicht in die Lehrpläne, so dass Mädchen keine Vorbilder haben) sollte erwähnt werden, genauso wie der, dass der Lehrplan zu sehr an den Vorlieben für Jungen angelehnt ist).)

 

Übrigens gibt es ebenfalls im Tagesspiegel einen Artikel, der den positiven Eindruck, den ich wegen der Martenstein-Kolumne von ihm habe, gleich wieder egalisiert. Ein kleiner Auszug:

"Es fängt schon in der Schule an, wo nachweisbar die Mädchen sich

Wissen und Können aneignen, während die Jungen sich schon in

Cliquenbildung trainieren, eine nützliche Fertigkeit, mit der später im

Beruf gemeinsam weibliche Spitzenkräfte ausgebootet werden.

Im Frauenministerium gibt es neuerdings ein Referat „Gleichstellungspolitik

für Jungen und Männer“. Das hört sich nicht so an, als solle endlich

das Geschlechterparadoxon aufgelöst werden, damit aus

Bildungsgewinnerinnen auch mehr Berufsgewinnerinnen werden."

Auch diesen Artikel habe ich schon kommentiert.

 

MfG

Andreas

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