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Jungs und Männer, wie geht es Euch mit Eurer "Beschneidung"?
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BenutzerBeitrag

11:53
19.07.10


Hausmeister Thorsten

Admin

Beiträge 12

Beitrag 18:14 – 20.07.10 bearbeitet von Leon Woczelka


Die männliche "Beschneidung" wird häufig und gern in den Medien und der öffentlichen Wahrnehmung zu einer unwichtigen Bagatelle gemacht.

Sie wird manchmal einfach mit "Hygiene"  gleichgesetzt und ansonsten verschwiegen. Doch lange nicht alle Männer oder Jungen, die "beschnitten" wurden, halten ihren  jetzigen Zustand für gut oder gar wünschenswert.

Ich bin der Ansicht, dass in Zukunft das Thema einen höheren Stellenwert in der öffentlichen Diskussion braucht, als ihm heute zugewiesen wird. Daher wünsche ich mir, dass möglichst viele Jungen oder Männer, die "beschnitten" wurden, ihre Erfahrungen hier einmal kurz (oder lang) beschreiben.

Nur so lässt sich belegen, WIE Jungen oder Männer ihre "Beschneidung" und deren Folgen später erleben. Und nur so können all jene Märchenstunden beendet werden, die angeblich belegen sollen, dass "das alles ja für jeden richtigen Jungen oder Mann nicht so schlimm" sei.

Tatsache ist, die meisten Männer und Jungen erdulden Vieles, ohne je darüber zu klagen. Genau deshalb gelten sie eben auch nicht als benachteilgt oder gar als traumatisiert.

Unser Forum ist eröffnet. Und wir garantieren, dass wir alle beschriebenen Erfahrungen, Positionen und Meinungen hier veröffentlichen, auch wenn sie nicht unsere Ansichten zum Thema teilen.

Also: schreibt/schreiben Sie uns Eure /Ihre Erfahrungen. Uns interessiert alles, was spontan einfällt.

Hier zum Beispiel einige Fragen:

Wann war meine "Beschneidung"?

Wie habe ich die "Beschneidung" erlebt?

Gab es Probleme? Z.B. bei der Heilung?

Wie wurde ich versorgt?

Wurde ich mit Schmerzen o.ä. ernstgenommen?

Welche Folgen hat meine "Beschneidung" bis jetzt?

Finde ich es ok, wenn kleine Jungen aus religiösen Gründen "beschnitten" werden?

Vielen Dank für Eure/Ihre Antworten.

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20:46
09.09.10


Philmos

Österreich

Member

Beiträge 3

Hallo an alle,

bin ich hier der erste, der hier antwortet?

Ich würde gerne meine Erfahrungen mit meiner Beschneidung als Kind hier schildern. An welches Raster sollte man sich halten bei der Mitteilung der Erlebnisse und Erfahrungen?

Dieses hier?

***

Wann war meine "Beschneidung"?

Wie habe ich die "Beschneidung" erlebt?

Gab es Probleme? Z.B. bei der Heilung?

Wie wurde ich versorgt?

Wurde ich mit Schmerzen o.ä. ernstgenommen?

Welche Folgen hat meine "Beschneidung" bis jetzt?

Finde ich es ok, wenn kleine Jungen aus religiösen Gründen "beschnitten" werden?

***

Oder sind noch weitere Fragen gewünscht? Ich würde dann einfach beginnen, wenn es gewünscht ist?

 

Gruß Philipp.

00:16
14.09.10


Philmos

Österreich

Member

Beiträge 3

Beitrag 01:06 – 14.09.10 bearbeitet von Philmos


Hallo,

also ich werde es erst einmal versuchen:

Wann war meine "Beschneidung"?

Mit drei Jahren unmittelbar nach Diagnose durch den Kinderarzt, Vorhaut ging angeblich nicht vollständig und leicht genug zurück, Diagnose "überlange Vorhaut" und "wiederkehrende Phimose". Überweisung an die Chirurgie eines Krankenhauses zur ambulanten Operation "radikale Circumcision/komplette Beschneidung" mit der Plastibelltechnik, OP schon knapp drei Wochen nach Diagnose. Meine Meinung und Einstellung dazu war komplett gleichgültig, "es mußte sein", also wurde es gemacht. Es ging komplett über meinen Kopf hinweg, es wurde entschieden, auch gleich schon der OP-Termin durch den Kinderarzt, der diesen gleich nach Indikation und Therapieanweisung als "Service" mit dem Krankenhaus vereinbarte. Da kam ich nicht mehr raus. Was genau gemacht werden sollte, war mir auch nicht klar, etwas an der vorderen Haut an der Spitze, aber nichts Großes, nur ein kleiner Eingriff, was immer das zu bedeuten hatte. Was Beschneidung wirklich bedeutete (also in meinem Fall die komplette Entfernung der Vorhaut) und was man wirklich mit meinem Penis machen würde, habe ich nicht im geringsten geahnt. Es hätte aber nichts genutzt, wie hätte ich mich wehren können? Es war alles ausgemacht und geplant worden.

Wie habe ich die "Beschneidung" erlebt?

Komplette Überrumpelung, da alles sehr schnell ging von der Diagnose bis zur Voruntersuchung und zum Operationstermin. Ungeheure Machtdemonstration der riesigen Maschinerie Krankenhaus und Ärzte, gegen die ein kleiner Junge komplett machtlos ist. Er kann sich nur noch fügen und eben alles geschehen lassen. Fließbandabfertigung bei Voruntersuchung und Beschneidung selbst, alles mußte sehr schnell gehen, Voruntersuchung, am OP-Tag, Vorbereitung, Narkose, Aufwachen, Entlassung. Ich habe nur meinen Körper hingegeben, damit das Personal etwas mit ihm machen konnte. Was genau, das war mir erst hinter der Operation klar, als ich meinen Penis zum ersten Mal danach sah. Ich hatte ihn zuerst nicht wiedererkannt, so groß war der Unterschied vor und nach der Beschneidung.

Gab es Probleme? Z.B. bei der Heilung?

Plastibellring nach der Operation sehr schmerzhaft über Stunden, erträglich über Tage, bis zum Abfallen des Ringes scheinbar endlose Zeit (6 Tage mit Ring auf der Eichel), sehr lange Wundheilung der Narben und der wunden Haut der Eichel, des kleinen Vorhautrestes und der Beschneidungsnarbe rundherum nach der Beschneidung. Der Plastibellring mit seinem Kunststoff brannte wie Feuer auf der wunden Eichel. Das Wasserlassen brannte anfangs wie Tausende von Nadeln in der Harnröhre, wurde von Tag zu Tag besser. Gewöhnung an die freiliegende Eichel sehr langwierig über Monate. Bestimmte Unterwäsche war weniger unangenehm als andere.

Wie wurde ich versorgt?

Ambulante Nachversorgung, Kontrollen immer wieder durch den Kinderarzt. Soweit in Ordnung, aber sehr peinlich, den frisch beschnittenen Penis ständig herzeigen zu müssen, v.a. wenn auch an der Resthaut gezogen wurde zur Untersuchung, ob genug entfernt wurde.

Wurde ich mit Schmerzen o.ä. ernstgenommen?

Schmerzen sind normal bei dieser Operation, diese gehen vorbei, wurde wiederholt gesagt.

Welche Folgen hat meine "Beschneidung" bis jetzt?

Ein Leben ohne Vorhaut mit allen Vor- und Nachteilen wie aus der bekannten Literatur ersichtlich, siehe dort. In Europa Außenseitertum als beschnittener Junge und Mann, Hänseleien in der Schule etc.Wink In den USA genau andersrum.

In der Pubertät dann die Erkenntnis, daß das "Bedienen" meines beschnittenen Penis ohne "Hilfsmittel" wie Gleitsubstanzen etc. nur sehr schwer möglich ist. Nicht unmöglich, aber den Preis dafür zahlte ich sehr schnell mit Wundsein der entsprechenden Hautregionen.  Meine Partnerinnen gingen dann sehr schnell zu anderen Techniken über, weil ihnen das "Bedienen" ebenfalls zu mühsam war.

 

Gruß Philipp.

13:32
14.09.10


Leon Woczelka

Admin

Beiträge 146

Ganz herzlichen Dank für Deine ausführliche Schilderung. Ich werde diese warscheinlich demnächst in einem meiner Artikel zitieren. Vielen Dank nochmals.

14:03
14.09.10


Philmos

Österreich

Member

Beiträge 3

Beitrag 14:35 – 14.09.10 bearbeitet von Philmos


Bitte gern geschehen. Wenn noch Fragen sind, bitte einfach stellen.

Noch etwas zu der einen Frage:

Finde ich es ok, wenn kleine Jungen aus religiösen Gründen "beschnitten" werden?

Das steht mir nicht zu, darüber zu urteilen, auch, weil ich ein gläubiger Mensch bin. Das Religionsthema und die damit verbundene Beschneidung in einigen Religionen sind sehr heikel, ich respektiere die Religionsfreiheit anderer voll und ganz.

 

Wogegen ich mich aber ganz klar ausspreche, das sind medizinisch nicht klar indizierte und vorschnelle medizinische Beschneidungen oder wenn Beschneidungen als willkommenes Heilmittel für alles mögliche herhalten sollen. Interessant in diesem Zusammenhang ist, daß dieses vor allem bei kleinen Jungen aufgefahren wird (Thema Abhängigkeit und Wehrlosigkeit!), ab einem gewissen Alter wird es von den Ärzten  und Eltern wohl schwerer durchzusetzen sein!

 

Noch etwas. In meiner Umgebung tauchten damals mehr und mehr beschnittene Jungen auf, die teilweise bei dem gleichen Kinderarzt waren, teilweise auch in dem gleichen Krankenhaus operiert worden sind. Interessant ist, daß dieses mit dem Alter von 3 Jahren begonnen hat. Ich erinnere mich, daß das so formuliert wurde, daß "Phimosen" erst nach 3 Jahren Lebensalter operiert werden sollten.  Es erschien so, als sei das Alter 3 Jahre der Startschuß gewesen für die Durchführung der Beschneidungen. Ich z.B. war gerade exakt 3 Jahre geworden, das war die erste Untersuchung nach meinem Geburtstag, wo dieses gleich "umgesetzt" wurde. Vorher wurde bei den Untersuchungen zwar auch immer schon geschaut, aber keine OP angewiesen. Ich denke schon, daß da ein System dahinterstand.