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Boys' Day/Girls' Day

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BenutzerBeitrag

21:53
05.04.11


Andreas Rheinhardt

Member

Beiträge 13

Hallo,

 

hier habe ich ein besonders verwerfliches Girls' Day-Projekt gefunden: Laut http://www.uni-giessen.de/cms/…..pm/pm65-11 gibt es dort einen Girls' Day in der Veterinärmedizin:

"Die Mitarbeiter der Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und
Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz geben
den Teilnehmerinnen Einblicke in den Berufsalltag von Tierärztinnen,
Tierpflegerinnen (Fachrichtung Forschung und Klinik) sowie
veterinärmedizinischen Fachangestellten. Neben einer Führung durch die
Klinik stehen zahlreiche Demonstrationen zu Themen wie Untersuchung und
Pflege verschiedener Tierarten oder Geschlechtsbestimmung von Nagetieren
auf dem Programm."

Nun ist es so, dass der Studentinnenanteil in der Veterinärmedizin ca. 85% beträgt (siehe http://www.spiegel.de/spiegel/…..44734.html), so dass man eigentlich einen reinen Boys' Day machen müsste (macht man natürlich nicht — schließlich haben Jungen an Universitäten nichts verloren, sie sollen schließlich ins Altenheim). Ich werde mich darüber beim (männlichen) Verantwortlichen beschweren.

 

MfG

Andreas

21:05
19.04.11


Andreas Rheinhardt

Member

Beiträge 13

Hallo,

 

ich habe dem Verantwortlichen eine E-Mail geschrieben und in einer Antwort grundsätzliche Zustimmung erhalten; allerdings war Ihm gar nicht bewusst, dass sich die Aktion am Girls' Day nur an Mädchen gewandt hat; er glaubte, Jungen seien einfach nicht interessiert, während Mädchen ihm die Bude einrennen. Er kannte also die Werbung gar nicht. Ich bin schon auf seine Antwort auf meine Antwort gespannt.

 

MfG

Andreas Rheinhardt

PS: ich darf die Antwort von ihm aus Datenschutzgründen nicht reinstellen.

21:09
19.04.11


Andreas Rheinhardt

Member

Beiträge 13

Hallo,

 

ich habe gerade etwas sehr Entsetzliches entdeckt, nämlich dieses Interview. Darin spricht eine Frauenbeauftragte in erstaunlicher Weise aus, das sie die Probleme von Jungen nicht wirklich interessiert, auch wenn sie gegenteiliges behauptet. Mein Kommentar ist noch nicht freigeschaltet worden:

"Hallo,

1. "Wir haben das Problem für die Mädchen noch nicht
gelöst": Wollen Sie damit sagen, dass man erst dann etwas für Jungen tun
darf/sollte, wenn alle Probleme für Mädchen gelöst sind? Warum sollen
die Mädchen dieses Privileg genießen? Warum macht man es nicht einfach
andersrum (also: erst wenn die Abiturquoten von Jungen und Mädchen
gleich sind, erst wenn die Selbstmordrate von Jungen und Mädchen gleich
sind, erst wenn es keine Erzieher(innen) und Lehrer(innen) mehr gibt,
die Jungen für biologisch minderwertig (da "unreifer") erachten, erst
wenn Jungen und Mädchen für gleiche Leistung dieselben Noten und bei
gleichen Noten gleich häufig Gymnasialempfehlungen erhalten (in diesen
beiden Punkten sind Jungen z.Z. benachteiligt), machen wir wieder etwas
für Mädchen)? Oder warum fördert man nicht jedes Geschlecht da, wo es
nötig ist? Oder noch radikaler: Warum fördert man nicht jedes Individuum
(!) dort, wo es nötig ist?

Sind Sie sich eigentlich der Tatsache bewusst, dass aus ihrem Satz
folgt, dass Mädchen wertvolleres Leben als Jungen darstellen?
2. Auch
wenn das gerne behauptet wird, geht es beim Boys' Day nicht wirklich
darum, Jungen in von Frauen dominierte Berufe zu bringen; es geht im
Wesentlichen nur um folgende Berufe: Erzieher, Krankenpfleger,
Altenpfleger, Hauswirtschaftler und auch noch ein bisschen
Grundschullehrer. Dadurch wird (bewusst!) der Eindruck erweckt, dass es
keine andersartigen Frauenberufe gäbe. Was beim Boys' Day fehlt, sind so
ziemlich alle Veranstaltungen an Universitäten und Forschungszentren,
die es beim Girls' Day zuhauf gibt. Da nämlich die Hälfte aller
Studenten weiblich sind, gibt es genauso Fächer, in denen Frauen die
eklatante Mehrheit der Studenten stellen und die dennoch
prestigeträchtig und gut bezahlt sind, z.B. Psychologie, Medizin,
Veterinärmedizin, Zahnmedizin, Journalismus, Sprachen, Biologie. Auch
z.B. alles, was mit Familienrecht zu tun hat (Familiengerichte,
entsprechende Lehrstühle) müssten einbezogen werden; und der
öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch.

3. Dies zeigt, dass der Boys' Day das eigentliche Problem der Jungen
nicht lösen kann, ja sich noch nicht einmal damit beschäftigt, nämlich
dem feministischen Neandertaler-Männerbild, welches inzwischen das
vorherrschende Männerbild in Deutschland und (soweit ich das von hier
aus beurteilen kann) der gesamten westlichen Welt ist. Dabei sind Männer
triebgesteuerte Machos, die außer Zerstörung, Vergewaltigung, Sex,
Besäufnisse, Fußball (und andere Sportarten) und schnellen Autos nichts
im Sinn haben, insbesondere lehnen sie die Schule und alle anderen
kulturelle Leistungen ab, die sie tendenziell als weiblich einstufen.
Diese Klischees durchziehen quasi das gesamte Fernsehen und andere
Medien (wenn auch natürlich eine Person, die alle Merkmale aufweist,
sehr ungewöhnlich wäre), man denke nur an die Simpsons, die ganzen
anderen Sitcoms oder die Teenie/Highschool-"Komödien". Solange dieses
Männerbild regiert, werden wir keine Besserung der Lage der Jungen in
der Schule erleben. Aber darum geht es den Initiatorinnen des Boys' Day
auch nicht (das kann man ganz einfach daran erkennen, dass der Girls'
Day vom Frauen- und vom Bildungsministerium unterstützt wird, beim Boys'
Day ist es nur das Frauenministerium).

Ein gutes Beispiel für dieses Männerbild findet sich im folgenden Zitat
aus dem FAZ-Artikel "Die Frauenfalle" (ein weiteres Beispiel ist die
Behauptung, Mädchen wären "reifer"):
"Köpfchen zählt am Arbeitsplatz,
nicht Muskelkraft. Die Drecksarbeit machen heutzutage Maschinen, dafür
braucht man keine starken Männer. ´Humankapital` indes muss flexibel,
multitasking- und teamfähig sein, mit anderen Worten: weiblich."

Die Werbung für den Girls' Day baut übrigens häufig auf solchen Aussagen
auf, d.h. beim Girls' Day geht es nicht nur darum, den Mädchen etwas
Gutes zu tun, sondern auch den Jungen etwas Schlechtes. Beim Boys' Day
fehlt diese Komponente vollständig.

4. In Großbritannien hat man übrigens eine Studie durchgeführt, deren
Ergebnisse wie folgt sind:
- Mädchen halten Mädchen bereits im Alter
von vier Jahren für klüger, reifer und fleißiger als Jungen. Auch im
Alter von acht Jahren ist das noch so.

- Jungen unterscheiden in den genannten Eigenschaften im Alter von vier
Jahren noch nicht nach Geschlecht. Im Alter von acht Jahren haben sie
die Einstellung der Mädchen übernommen.
Dass das so ist, dürfte
niemanden überraschen, der kritisch Kolumnen wie diese hier liest.

In einem zweiten Teil der Studie hat man dann zwei gemischte Gruppen von
Jungen und Mädchen gebildet; der ersten erzählte man, dass Mädchen
besser sind als Jungen, der zweiten nicht. Die Jungen in der ersten
Gruppe schnitten daraufhin signifikant schlechter ab als die Jungen in
der zweiten Gruppe: ein "Stereotype Threat".

5. Ein Beispiel für das unter 2. genannte Phänomen, wonach man Jungen
nur ein eingeschräktes Berufsspektrum empfiehlt, findet man am
Otto-Pankow-Gymnasium in Mühlheim/Ruhr: Das Otto-Pankow-Gymnasium in
Mühlheim/Ruhr hat übrigens am Boys' Day die Gymnasiasten der 8. Klasse
dazu verdonnert, sich einen der genannten Berufe (Erzieherin, Pflege)
anzusehen. Auf die Idee, dass es auch Frauenberufe auf gymnasialem
Niveau gibt, sind sie nicht gekommen.

Ein weiteres Beispiel findet man an der Universität Gießen, die sogar in
der Veterinärmedizin einen Girls' Day veranstaltet hat, obwohl hier
über 80% der Studenten weiblich sind. (Ein schönes Beispiel dafür, wie
willkürlich und ideologisch der Boys' und Girls' Day ist: Denn in den
genannten Bereichen sind in jüngeren Jahrgängen die Frauen deutlich in
der Überzahl, woran sich aber niemand stört, denn es sind ja angesehene
Berufe, die sollen Mädchen ergreifen; dafür wird geworben, selbst wenn
bereits die Mehrheit der Berufsanfänger weiblich ist.)

Und ein weiteres Beispiel dafür findet sich an der FU Berlin, ihrer
Universität: Laut http://girlsday.fu-berlin.de/2…..echer.html
gibt es einen Girls' Day in der Klassischen Philologie und
selbstverständlich keine Veranstaltung für Jungen in diesem Fachbereich.
Aber laut dem Frauenförderplan des Fachbereichs Philosophie und
Geisteswissenschaften (http://www.geisteswissenschaft…..plan08.pdf)
gibt, obwohl insgesamt in diesem Bereich einen Frauenanteil von 62,5%
gibt. Wie begründen Sie das? Wieso gibt es keine Veranstaltungen in der
Slavistik mit einem Frauenanteil von 71,58%, bei der Deutschen und
Niederländischen Philologie mit 75,35%, bei der Romanischen Philologie
mit 84,66%, bei der Englischen Philologie mit 79,32%, bei den
Theaterwissenschaften mit 71,66 oder beim Kultur- und Medienmanagment
mit 74%? Wieso gibt es keinen Boys' Day in den Rechtswissenschaften
(z.B. im Familienrecht, aber auch anderes), obwohl doch hier die
Geschlechterverteilung der Student(inn)en ausgeglichen ist und es auch
eine Mädchenveranstaltung gibt? Wieso gibt es keine
Jungenveranstaltungen in Biologie und dem Botanischen Garten?

Damit wir uns richtig verstehen: Diese Fragen sind sehr wichtig,
aber ich glaube, ihr Interview sagt sehr deutlich, warum es keine
Jungenförderung in Deutschland gibt.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Rheinhardt"

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