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Wie Männer und Jungen dämonisiert, Mädchen und Frauen hingegen zu Opfern stilisiert werden.
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BenutzerBeitrag

18:36
15.01.11


Leon Woczelka

Admin

Beiträge 146

Wie hoch ist der Anteil weiblicher Täter bei partnerschaftlicher Gewalt? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, wer gefragt wird. Ein Polizist wäre aller Wahrscheinlichkeit nach der Ansicht, dass weibliche Täter respektive männliche Opfer nur mit einem einstelligen Prozentsatz vertreten sind. Häusliche Gewalt ist männlich, so die landläufige Überzeugung. Ein Kriminologe oder Soziologe hingegen würde uns mit der Behauptung überraschen, dass Frauen in 51 bis 53 Prozent aller Fälle die Täter stellen. Der Unterschied zwischen beiden Aussagen – der des Polizisten und jener des Kriminologen oder Soziologen – entspricht dem zwischen Hellfeld und Dunkelfeld. Ersteres beinhaltet lediglich durch Polizei, Krankenhäuser oder Beratungsstellen bekannt gewordene Fälle. In den 80er Jahren veröffentlichte der Gewaltforscher Murray Straus Untersuchungen, die zum ersten Mal dieses Missverhältnis zwischen Hell- und Dunkelfeld aufdeckten. Straus entwickelte in diesem Zusammenhang die sogenannten "Conflict Tactic Scales", die heute ein bedeutendes Instrument in der Gewaltforschung sind. Grundlage einer jeden Dunkelfelduntersuchung ist die sorgfältige Befragung nach etwaigen Gewalterlebnissen.

Da Gewalt ein äußerst scham- und tabubesetztes Thema darstellt, hängt das Ergebnis einer solchen Befragung entscheidend davon ab, wie die Fragestellung formuliert ist. Die simple Frage "Haben sie schon einmal Gewalt durch Ihren Partner / Ihre Partnerin erlebt?" wird immer einen verschwindend geringen Anteil männlicher Opfer zu Tage fördern. Fragt man hingegen präzise nach bestimmten Gewalthandlungen wie etwa "hat Ihre Partnerin sie mit der flachen Hand geschlagen" oder "Hat Ihre Partnerin Sie mit der Faust geschlagen", so erhält man völlig andere Ergebnisse. Straus' Untersuchungen zeigten ein ausgeglichenes Verhältnis von männlichen und weiblichen Tätern. Mittlerweile gibt es mehr als 300 internationale Studien und Meta-Analysen, die zu demselben Ergebnis gelangen.

Hier geht es weiter in der bemerkenswerten Stellungnahme und Analyse der bestehenden Situation von Maskunaut.


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