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Ministerin Schröder schließt die Frauenquote in Unternehmen in Überlegungen ein, blendet dafür aber Täterinnen aus.
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BenutzerBeitrag

20:59
20.07.10


Burkhard Oelemann

Member

Beiträge 3

Anders als die Überschrift verrät, ist die Doppelzüngigkeit ihres Interviews in der Stuttgarter Zeitung nach meiner Ansicht nicht zu deuten.

Frau Schröder sagt:

Wir brauchen eine Neudefinition von Gleichstellungspolitik. Ich konnte nie etwas mit einem Feminismus anfangen, der sich in Gegnerschaft zu den Männern begriff. Der war immer schon problematisch, aber auf jeden Fall sind dessen Zeiten vorbei.

Kitas und Grundschulen sind fast männerfreie Zonen. Das muss negative Konsequenzen haben.

Stimmt, aber ich möchte schon vorwegschicken, dass niemand Erzieherinnen oder Lehrerinnen bösen Willen unterstellen darf. Sie bemühen sich, Jungen auch jungengerecht zu behandeln.

Bemühen allein reicht nicht, denn damit blendet sie aus, dass eben viele Lehrerinnen und Erzieherinnen als besonders emanzipiert gelten und Frauen für die besseren Menschen halten. Aus dieser Motivlage heraus werden  erwiesenermaßen Jungen schlechter beurteilt und behandelt.

Doch weiter im Text:

Müsste es mehr männliche Erzieher geben?

Ja, denn die Jungs brauchen männliche Vorbilder. Gerade Kinder von Alleinerziehenden treffen oft erst mit zehn oder elf Jahren in der weiterführenden Schule auf eine männliche Bezugsperson. Das kann entwicklungspsychologisch problematisch sein. Eine neue Studie, die unser Haus gefördert hat, kommt zu diesem Ergebnis: Männer werden dann Erzieher, wenn sie zum Beispiel als Zivildienstleistende oder im Freiwilligen Sozialen Jahr schon Einblick in diesen Beruf erhalten haben. Andere haben dagegen Hemmschwellen. Ich glaube, viele junge Männer würden den Beruf gern ergreifen, trauen sich aber nicht, weil er ein weibliches Image hat. Ich werde gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit ein bundesweites Programm starten, das es Männern ermöglicht, sich auch in späteren Jahren noch für den Erzieherberuf in einer zweijährigen Ausbildung umschulen zu lassen. Dazu gibt es bereits vielversprechende Pilotprojekte. Das Programm wird Anfang nächsten Jahres starten und sicherlich erfolgreich sein. Denn Tatsache ist: Erzieher haben sehr gute Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.

Aber die Bezahlung ist nicht attraktiv.

Das stimmt so nicht. Der beliebteste Ausbildungsberuf bei den Jungen ist Mechatroniker, und der wird nicht besser bezahlt als der Erzieher in der Kita. Wir werden es kaum schaffen, zu 50 Prozent männliche Erzieher zu bekommen. Aber es wäre bereits ein schöner Fortschritt, wenn es an jeder Kita ein oder zwei Männer gäbe.

Was lernen wir daraus? Schröder spricht sich an anderer Stelle für männliche  Zwangsdienste aus, um daraus genau jene "Motivation zu filtern", die dann Männern den Erzieherberuf erst schmackhaft macht. Der Weg ist offenbar hier das Ziel.

Nun weiter im Interview…

Zum Lohnabstand: Sind Frauen mit weniger Geld als Männer zufrieden?

Jedenfalls führen Frauen, die in ihren Beruf zurückkehren, ihre Gehaltsverhandlungen oft zu bescheiden – weil sie ihren Marktwert nicht kennen und weil sie vielleicht dankbar sind, überhaupt wieder einsteigen zu können. Wir versuchen in Programmen, Wiedereinsteigerinnen selbstbewusstes Auftreten in Lohnverhandlungen zu vermitteln.

Aber mit einer bewussten Diskriminierung von Frauen hat das alles nichts zu tun?

Tatsächlich glaube ich, dass die schenkelklopfende Diskriminierung von Frauen nur noch selten anzutreffen ist. Der Lohnunterschied erklärt sich aus vielen Komponenten: der Studienwahl, den negativen Nachwirkungen der Kinderpausen, dem finanziellen Nachteil bei der Wiedereinstellung. Aber die Wirtschaft wird aus Eigeninteresse im Wettbewerb um Fachkräfte umdenken und umsteuern müssen.

Was ist mit der Frauenquote?

Die Frauenquote ist für mich nur die Ultima Ratio, weil sie ja nur ein Herumdoktern am Symptom ist. Aber Ultima Ratio heißt auch: Ich schließe sie nicht aus.

(Nun kommt's in ihrer Argumentation noch mal richtig dicke…)

Beim Thema "häusliche Gewalt" sagen manche Forscher, dass Gewalt gleichmäßig auf die Geschlechter verteilt sei. Stehen Frauen als Opfer zu sehr im Fokus?

Frauen sind nicht die besseren Menschen. Und es gibt auch in nennenswerter Zahl Fälle körperlicher Gewalt von Frauen gegen Männer. Wo die physische Kraft fehlt, werden zuweilen Gegenstände zu Hilfe genommen. Gewalt von Frauen gegen Männer kommt also vor. Dass aber die Hälfte der Fälle auf das Konto von Frauen gehen soll – das glaube ich nicht. Der Mann ist nun einmal stärker und löst daher öfter Konflikte mit Gewalt als Frauen. Männliche Gewalt ist zudem in Familien mit Migrationshintergrund kein kleines Problem.

Wenn es, wie Sie einräumen, Gewalt gegen Männer gibt, sollte sich das Ministerium dann nicht starkmachen für "familienorientierte Beratungszentren" gegen häusliche Gewalt?

Ich finde, dass staatliche Hilfsangebote gegen familiäre Gewalt Anlaufstelle für beide sein müssen, Männer und Frauen. Vielfach sind die Gesetze schon ausgewogen formuliert: Das Gewaltschutzgesetz sorgt dafür, dass der aggressive Partner der gemeinsamen Wohnung verwiesen werden kann – das ist nicht geschlechtsspezifisch formuliert.

Frau Schröder "glaubt" also allen Ernstes daran, dass sich geprügelte Männer in die Hände tendenziös ausgebildeter, misstrauischer Feministinnen begeben würden – oder zwangsläufig müssten. Denn vorwiegend solche gibt es in den sogenannten "Hilfsangeboten", die bisher mit sehr wenigen Ausnahmen zudem explizit nur an Frauen als Opfer adressiert sind. Die Mitarbeiterinnen sind hier aber nicht allein Schuld an der Misere für männliche Opfer. Die Ausbildungen in Hochschulen und Ausbildungsinstituten ist hier ebenfalls sehr in der Verantwortung. Auch und besonders dort werden alle Studien, die nicht in die Mainstream-Ideologie passen, ignoriert und verschwiegen. So wurden bisher ganze Generationen von Personen im psychosozialen Sektor so lange nur mit einseitigen Männer-gleich- Täterschemata gefüttert, bis dass die Ausbildenden ihre eigene Verleugnung von weiblicher Täterschaft selbst glaubten.

Nun arbeiten in diesen Hilfs-Einrichtungen fast ausnahmslos Frauen, was  zudem die notwendige Parteilichkeit in der Arbeit mit den männlichen Opfern nicht gewährleistet, sondern  fast unmöglich werden lässt.

Da passt es ja fast schon ins Konzept, dass Kristina Schröders CDU-Ministerinnen Kollegin vor wenigen Tagen in Niedersachsen in den dort neu aufgelegten "Täterprogrammen"  komplett gleich alle Frauen als Täterinnen ausblendet und damit Männer erneut alleinig dämonisiert.

Es gäbe hier wohl zumindest geringen Abstimmungsbedarf in der CDU. Oder eben nicht, denn die negativen, dämonisiserenden Vorurteile über die einseitige Verteilung der Täterschaft bleiben zementiert, wenn sich gleich mehrere Ministerinnen derart hartnäckig der Wahrheit gegenüber verschließen. Nicht zuletzt wird innerhalb dieser gesamten Diskussion der große Bereich der häuslichen Gewalt gegen Kinder (und hier sind die Frauen als Täterinnen selbst im statistischen Hellfeld quasi in der Mehrheit) ausgeblendet.

Zuletzt wird Schröders Ignoranz und offensichtliche Unkenntnis über die Dynamik bei häuslicher Gewalt unter Erwachsenen in diesem Interview überdeutlich. Über 200 internationale Studienergebnisse renommierter Forscher/innen werden von einer Bundesministerin mit dem Halbsatz: "Ich glaube nicht, dass…" vom Tisch gewischt, die in gleichem Atemzug zudem körperliche Stärke noch mit gleichzeitig ansteigender Gewaltneigung gleichsetzt. Welch gnadenloser Unsinn! Solche Unwissenheit macht mich fast sprachlos…

Frau Ministerin Schröder,

hier gehts aber (schon lange) nicht mehr ums "Glauben", oder "Ihre Meinung", sondern schlicht um Fakten. Sie sind ja schließlich Bundesministerin und keine Pastorin ( womit ich hier keine Pastorinnen beleidigen möchte).

Wie war noch gleich die vollmundige Ansage am Anfang Ihres Interviews?

"Ich konnte nie etwas mit einem Feminismus anfangen, der sich in Gegnerschaft zu den Männern begriff. Der war immer schon problematisch, aber auf jeden Fall sind dessen Zeiten vorbei."

Ihre Erkenntnis stimmt, deren Umsetzung ins Konkrete bleibt bisher aufgrund der oben beschriebenen Misandrie aber auch in Ihrer Amtszeit aus…


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