Wie reaktionär oder progressiv ist die “neue angedachte Jungen-Förder-Kultur”?

Quelle: DPA , ZEIT

Oje, mir schwant Böses. Heute erst las ich das Interview der Ministerin Schröder in der Zeit.

Sie verwies unter der Überschrift: “Ein Tag für Kerle” ausdrücklich auf ein Projekt, das in Offenbach ansässig ist.

Schröder: In Offenbach gibt es ein Projekt namens »Hart aber fair – Boxclub Nordend«, bei dem Jungen das Boxen trainieren und gleichzeitig Regeln und Disziplin üben. Daneben erhalten sie Hausaufgabenhilfe. Das kommt enorm gut an.

Solche Projekte setzten stets an alten Klischees an, in denen Jungen Machos sind – sonst würden solche Box-Trainings ja gar nicht erst angeboten.

Was machen denn Jungen, die sich eben NICHT  dafür interessieren, anderen aufs Maul zu hauen, solche Jungen, die eher etwas anderes wollen? Für die gibts kein Projekt…

Doch weiter im Text:

ZEIT: Wo sollen die Erzieher herkommen?

Schröder: Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit wollen wir arbeitslose Männer zu Erziehern umschulen. In Brandenburg haben wir damit gute Erfahrungen gemacht. Da gibt es ehemalige Handwerker, deren Fähigkeiten heute Kitas nutzen. Diese neuen Erzieher werden sogar von anderen Bundesländern abgeworben.

ZEIT: Schreckt nicht eher die schlechte Bezahlung in pädagogischen Einrichtungen die Männer ab?

Schröder: Darüber müssen wir ebenfalls sprechen. Allerdings muss man wissen, dass auch die Bezahlung von Kfz-Mechatronikern nicht wesentlich besser ist. In der Kita oder in der Grundschule muss man natürlich auch Karriere machen können. Dafür ist es notwendig, dass wir die Berufsausbildung zum Erzieher aufwerten – zum Beispiel durch ein aufsetzendes Fachhochschulstudium.

ZEIT: Wie wollen Sie die Jungen gewinnen?

Schröder: Zum Beispiel durch einen Boys Day, den wir ab 2011 parallel zum Girls Day anbieten. Seit zehn Jahren versuchen wir an diesem Tag, Mädchen für frauenuntypische Berufe zu gewinnen. Doch auch Jungen lassen sich bei der Berufswahl noch immer stark von Stereotypen leiten. Dabei werden die traditionellen Männerberufe, in denen es auf Kraft oder handwerkliche Fähigkeiten ankommt, immer weniger. Die Zukunft liegt in den Dienstleistungen – gerade auf dem sozialen Feld, das bislang von Frauen beherrscht wird, zum Beispiel in der Altenpflege.


Alles in Allem ist das ganze also äußerst widersprüchlich. Zum einen sollen Jungen in eventuell zukünftig möglicherweise vielleicht gegebenenfalls besserbezahlte, aber de fakto heute sehr schlecht bezahlte Berufe hineingezwängt werden, andererseits setzt die Ministerin auf die Weiterführung von Programmen, die purem Machotum huldigen. Was sollen wir davon jetzt halten?

Ich denke, die Ausrichtung der Politik ist klar: nämlich völlig unklar!

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