Margot Käßmanns Rücktritt: “Falsch für uns Frauen, falsch für sie selbst”

Margot Käßmanns Rücktritt

“Falsch für uns Frauen, falsch für sie selbst”

Ein Kommentar von Alice Schwarzer
Sie hat einen Fehler gemacht und zieht die Konsequenzen. Aber hat Margot Käßmann mit dem Rücktritt wegen ihrer Alkoholfahrt richtig gehandelt? Nein. Einem Mann hätte man das Vergehen nachgesehen.

Margot Käßmanns Rücktritt: “Falsch für uns Frauen, falsch für sie selbst” – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Panorama

Ich lag also mit meiner Vorsehung gestern richtig. Alice Schwarzer konnte nicht anders – und es war nicht schwer, dies vorrauszusagen. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre zeugte meine Vermutung im gestrigen Update meines Artikels also nicht von irgendwelchen seherischen Qualitäten, sondern von schlichter Logik.

Nun lesen Sie, wie Frau Schwarzer weiter an dem Bild einer weiblichen “Märtyrerin” strickt:

Es ist nicht verwegen zu behaupten: Ein Mann in der Lage wäre nicht zurückgetreten! Man hätte die Geschichte vermutlich auch gar nicht als so skandalös empfunden. Mit Männern in der Kirche sind wir schließlich ganz andere Probleme gewöhnt. Nicht nur Kavaliersdelikte, sondern auch Verbrechen werden da nicht selten vertuscht – wie jetzt wieder im Fall des Missbrauchs durch die Jesuiten.

Doch Margot Käßmann ist eine Frau. Es war anrührend zu hören, wie wichtig es für sie war, dass ihre vier Töchter in diesen schweren Minuten des Rücktritts mit im Raum waren. Und es liegt sehr nahe zu vermuten, dass vor allem sie selbst mit der Scham nicht leben konnte.

“Mein Herz sagt mir ganz klar: Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben”, hat Margot Käßmann bei ihrem Rücktritt erklärt. Das ist gut. Aber der Kopf sollte doch auch mitreden dürfen. Und der hätte gesagt: Deutschland hätte eine EKD-Vorsitzende wie dich echt gut gebrauchen können!

UPDATE! Auch die WELT darf im Reigen der Frauenhuldigungen nicht fehlen…

Eine Frau muss sich mehr beweisen

Eine Frau in einer Führungsposition wird gewiss kritischer beäugt als ein Mann, sie muss sich mehr als dieser beweisen. Vielleicht ist sie deswegen auch stärker gefährdet, ihren inneren Kompass zu verlieren. Margot Käßmann wollte alles, zumindest vieles anders machen als die männlichen Vorgänger: Sie sprach weniger zeremoniell, riss andere Themen an, mischte sich unbekümmert ein, vergab Zensuren und verkörperte das, was man in bestimmten Kreisen „bewegt“ nennt. Und sie sonnte sich darin, zur Ikone einer Öffentlichkeit zu werden, die diese Unmittelbarkeit mag und Autoritäten ablehnt, die auch als solche auftreten.

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