“Frauen sind die besseren…”, Folge 7.345.478

Der Tagesspiegel kommentiert zutreffend den Hype um die beiden neuen Landesmütter in NRW:

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Endlich, so der Tenor in vielen Medien, könne sich das „weibliche Prinzip“ bewähren. Endlich sind sie weg, die „Alphamänner“ und ihre testosterongetriebenen Machtkämpfe. Holt die Teddys raus, liebe Menschen an Rhein und Ruhr. Bei euch darf jetzt gekuschelt werden. Frauen sind die besseren Männer.

Sind sie das? Ganz so neu sind Frauen in der Politik nicht – anders als in Dax-Vorständen. Seit Elisabeth Schwarzhaupt 1961 als erste Bundesministerin vereidigt worden ist, haben Frauen in Kabinetten und Parlamenten Boden gutgemacht. Dem aktuellen Kabinett gehören neben Angela Merkel fünf Ministerinnen an, in der großen Koalition und im Kabinett von Gerhard Schröder waren es sechs. Die Zahl der weiblichen Bundestagsabgeordneten liegt bei einem Drittel. Das ist nicht genug, aber genug, um theoretisch stilprägend zu sein.

Steht deshalb auf dem Kabinettstisch ein selbst gebackener Friede-Freude-Eierkuchen? Ist Angela Merkel der große Kommunikator, der sie qua Geschlecht sein müsste? Wohl kaum.

Viele Frauen, die in politische Spitzenpositionen gelangt sind, sind durch dieselbe Schule gegangen wie ihre männlichen Mitstreiter. Sie haben sich auf Kreisebene gegen Konkurrenten durchgesetzt, auf Parteitagen taktiert, harte Einschnitte im Privatleben gemacht. Sie brauchten Härte, Offensive, Willen und Durchsetzungsstärke. Und auch ihre Politik ist nicht anders. Man muss gar nicht immer an Margaret Thatcher erinnern. Es waren die Ministerinnen Kristina Schröder und Ursula von der Leyen, die beim Spargipfel der Bundesregierung hätten eingreifen können, als ihre Kabinettskollegen das Elterngeld für Hartz-IV-Empfänger strichen. Taten sie aber nicht. Keine Extras für alleinerziehende Mütter ohne Arbeit. Basta.

Die Idee, dass Frauen die besseren Menschen seien, gehört zum Ideenfundus des frühen Feminismus. Überhöht durch Esoterik und Naturromantik wurde der Traum vom Matriarchat beschworen, die Leben spendende Mutter Erde mit der gebärenden Frau gleichgesetzt. Unter ihrer „Frauschaft“ würde sich alles zum Guten wenden. So weit die These. In der aktuellen Debatte um das NRW-Duo wurde der Kampfbegriff vom „Matriarchat“ zwar durch „Feminat“ ersetzt. Doch die Verwechslung von Frau und besserer Mensch ist geblieben.

Ist das Zufall? Bisweilen wünschen sich die Wähler eine andere, weniger machtbewusste Politik. Hannelore Kraft versteht es, diesen Wunsch zu bedienen. Auf ihrer Homepage findet sich ein Bild, „Mit meiner Familie im Urlaub“ lautet die Unterschrift. Mann, Sohn, Golden Retriever. Mutter Kraft in der Mitte. Da wirkt der nebenstehende Lebenslauf, der sie als hoch qualifizierte Strategin ausweist, respekteinfordernder (Ökonomiestudium, Auslandsaufenthalt, Bankenpraktika, Unternehmensberaterin).

Und noch etwas stört an der Debatte über das NRW-Frauen-Duo. Wann immer eine benachteiligte Gruppe nach oben kommen soll, wird gefragt, ob und wie sie nützlich sein kann. Migranten sollen gefördert werden, weil sie etwas mitbringen, das die, die schon da sind, nicht haben: eine Außenperspektive, kulturelle Intelligenz, Arabischkenntnisse. Derselbe Tenor findet sich beim Thema Frauenförderung. Doch Frauen sind nicht die besseren Männer. Sie müssen es auch nicht sein. Sie sind so gut oder schlecht wie Männer, und das ist ihr Recht.

Kommentare

  1. Christian meint:

    Es ist schade, dass sich bei Männern nicht auch auf die positiven Eigenschaften gestützt wird, wenn man schon in Klischees denkt. Die sind ja immerhin auch vorhanden. Da hätten wir das schnelle Austragen von Konflikten, geringeres Nachtragen eines Streites, klarere Hierarchien und was noch nicht alles.

    • Leon Woczelka meint:

      So ist es. Ich könnte noch ein paar mehr ergänzen: Erfindergeist, Mut, ein Geschäft aufzubauen, andere zu versorgen, Verantwortung nicht nur großspurig anzukündigen, sondern sie klaglos zu übernehmen, etc. etc…

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