Zahlen sagen so einiges. Wenn vor 40 Jahren in einer gemischten Gymnasialklasse vier oder fünf Mädchen waren, so machen heute in Deutschland 33 Prozent mehr Mädchen das Abitur, während “ganz unten” ein deutlicher Buben-Überhang die Schule ohne Abschluss verlässt und in ein unsicheres Leben geht. Diese Entwicklung bewegt immer mehr Wissenschaftler im pädagogischen und sozialen Bereich, noch aber wird das Thema in der Bundesrepublik nicht großflächig diskutiert.
Wer geht den Ursachen nach und fragt laut, wohin dieser Trend führt? Um das Bewusstsein für diese Thematik zu vertiefen, ergriff die Schrobenhausener Bauer-Stiftung die Initiative. Innerhalb der zahlreichen Veranstaltungen im Begleitprogramm der Leipziger Buchmesse trafen sich einige Leute mit Erfahrung und wissenschaftlich fundiertem Fachwissen zu einer Podiumsdiskussion. Gut 50 interessierte Zuschauer waren dabei.
Thomas Bauer, Vorstandsvorsitzender der Bauer AG, der auf die Thematik als Unternehmensführers wie auch als politisch Tätiger und in Verbandsarbeit aufmerksam wurde, machte diese Erfahrung: “Man kann mit Politikern oder Verbandsexperten darüber reden – jeder akzeptiert die mittlerweile sichtbare Benachteiligung von Jungen sofort als Problem. Sie haben völlig recht, heißt es, aber nur unter vier Augen. Sobald es darum geht, Stellung zu beziehen und politisch zu handeln, blenden alle weg.”
Die Gesprächsrunde am ersten Tag der Leipziger Buchmesse unter dem Titel “Dumme Jungs und schlaue Mädchen – die ungerechte Schule” wurde von Marc Beise, dem Leiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung, moderiert.
Astrid von Friesen, Diplom-Pädagogin und Autorin, stellte sich mit eigenen Erfahrungen vor: “Ich habe 40 Jahre aktive Emanzipationsarbeit hinter mir, aber seit zehn Jahren kämpfe ich sehr dafür, den Männern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen!” Das Pendel der Emanzipation habe viel zu weit ausgeschlagen. Waren die Bestrebungen nach Gleichstellung der Frau noch Konsens – auch unter den Männern – so muss man heute feststellen: Die Ziele sind weitgehend erreicht, nun fragt sich aber, ob nicht weit über alle Ziele hinausgeschossen wurde. Was vor 40 Jahren mit dem Aufschrei begann “Man wird zum Mädchen nicht geboren, sondern zum Mädchen erzogen”, hat zu vielen – und teils absurden – gesetzlichen Regelungen geführt, seit europaweit die Forderung des “Gender Mainstreaming” darauf setzt, dass das humane Geschlecht von untergeordneter Bedeutung ist und das soziale Geschlechtsverhalten sich erst mittels Erziehung herausbilden soll. Das extremste Beispiel: In einem Bundesland seien Fördergelder in das Projekt “Gerechtigkeit im Wald” gesteckt worden. Mit dem Ergebnis, dass der Anteil weiblicher Waldbesitzer viel zu niedrig sei. Auf der anderen Seite wurde aber die Waldarbeit – hartes Männerlos mit hohem Unfallrisiko – aus der Studie ferngehalten.
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