Das fragile Feindbild des Thomas Gesterkamp

Thomas Gesterkamp

Thomas Gesterkamp - Bild:(c) geschlechterdialoge.de

Thomas Gesterkamp schreibt seit langem zum Thema Männer und Jungen. Er veröffentlicht Bücher und ist mancherorts ein gefragter “Männer-Experte”.

Er kämpft gegen die “Männer der Männerrechtsbewegung”, gegen “Maskulisten” und solche Autoren wie Arne Hoffmann, die es wagen, auch in anderen – nicht unbedingt linkslastigen – Zeitungen zu veröffentlichen, obgleich sie deutlich präziser und elementarer recherchieren, als Thomas G. es in seinen Artikeln unter Beweis stellt. Gern unterstellt er einem solchen Autoren sofort auch eine rechte Gesinnung – wenngleich auch nur zwischen den Zeilen.
Immer wieder warnt Gerstekamp vor diesen angeblich reaktionären Gesellen, die seinem Glauben nach insgeheim nichts anderes vorhätten, als den Feminismus zu eliminieren und die Zeiten “zurückzudrehen”.

Er warnt stets mit sehr eindringlichen Worten und an prominenter Stelle – z.B. in der TAZ.
Offenbar gern werden dort in regelmäßigen Abständen seine Artikel gedruckt – vielleicht auch deshalb, weil sie politisch in das Konzept der TAZ hineinpassen.

Soweit, so gut. Es wäre nichts einzuwenden gegen einen offenen Streit mit fairen publizistischen Mitteln.
Nur fair ist Thomas Gesterkamp nicht. Er verkürzt gern, gibt eigene Thesen als Wahrheiten aus und begibt sich mittlerweile schlicht immer mehr in die Nähe der Verleumdung Anderer.
Ein Beispiel – von mehreren möglichen – sei hier aus dem letzten Artikel herausgegriffen:

Thomas Gerstekamp belügt hier die Leser/innen, indem er derart verkürzt “zitiert”, dass dem Zitierten schlicht fast das Gegenteil dessen unterstellt wird, was er geschrieben hat. Er schreibt:

Als wissenschaftlicher Kronzeuge dient häufig der Bremer Soziologe Gerhard Amendt. Der Geschlechterforscher, einst Vorkämpfer für die Legalisierung der Abtreibung, behauptet inzwischen, Frauen seien in Beziehungen ebenso gewalttätig wie Männer. In der Welt forderte er gar die Abschaffung der Frauenhäuser wegen ihres “militanten Feminismus”.

Richtig wäre hingegen folgende Einlassung gewesen:

Prof. Amendt hat in seinen Veröffentlichungen nicht enfach die Abschaffung der Frauenhäuser gefordert, sondern in gleichem Atemzug die Einrichtung von spezialisierten Zentren für Familien mit Gewaltproblemen.

Aus welchem Grund tut Herr Gesterkamp das? Hier bin ich auf Mutmassungen angewiesen. Ich vermute, dass Herr Gesterkamp mit seinen 52 Jahren wohl eher ein sehr traditioneller Mann ist, der vielleicht schon aus beruflichen Gründen ein Feindbild braucht: Publizisten haben es mancherorts leicht, wenn sie ein Feindbild haben…

Mit dem Feindbild “bewaffnet” könnte er sich selbst als publizistischer “Retter der Frauen” fühlen, der unermüdlich gegen das vermeintlich Böse ankämpft. Wen dem so ist und meine Vermutung stimmt, taucht ein Problem auf: Je weniger ein “Feindbild” sich wirklich in der Realität abbildet – umso mehr muß eben hinzu dämonisiert werden.

Ein solches “selbstgemachtes Feindbild” ist also sehr fragil …
Daher bin ich gespannt auf die weiteren Fantasien des Thomas G.  über die angeblich “bösen Männer der Männerrechtsbewegung”, mit denen er zukünftig seine Artikel oder Bücher schmückt…

Nur: unterhaltsam oder informativ ist sowas nicht – eher gefährlich.

Kommentare

  1. Hausmeister Thorsten meint:

    Danke! Du sprichst mir aus dem Herzen…

  2. Burlhard meint:

    Bitte, gern. Der Mensch regt mich echt auf.

  3. Christian meint:

    Es ist schade, dass da solche Feindbilder aufgebaut werden. Ich glaube viel geht da um Wahrung des Status Quo. Da haben eben Feministen eine Deutungshoheit.

    • Leon Woczelka meint:

      Danke für den Kommentar. Ich möchte eines ergänzen: Nicht “die Feministinnen” haben die Deutungshoheit allein, sondern jene Männer (lila Pudel) die so manchen Unsinn mittragen, oder sogar die größeren, besseren Feministen sein wollen.

  4. Klaus Klebermann meint:

    Dieser Gesterkamp durfte einen Aufsatz in der letzten Zeitung meiner Gewerkschaft abdrucken.
    Ich bin aus der Gewerkschaft ausgetreten…

Trackbacks/ Pingbacks

  1. Anonymous sagt:

    [...] [...]

Ihre Meinung ist uns wichtig

*


*