Der Pädagoge Bernhard Bueb hat den Vorschlag der CDU-Ministerpräsidenten Müller und Koch für einen sozialen Pflichtdienst begrüßt, falls die Wehrpflicht und der Zivildienst ausgesetzt werden sollten. Der Buchautor (“Lob der Diziplin”) frühere Rektor des Elitegymnasiums in Salem erklärte bei MDR INFO, dieser Dienst sei insbesondere für junge Männer sehr nützlich und sinnvoll: “Nach meiner Erfahrung mangelt es vielen männlichen Jugendlichen an einem natürlichen Zugang zu hilfsbedürftigen Menschen.” Durch einen Pflichtdienst könnten sie lernen, dass Helfen Freude machen kann.
So geht es also zu in unserer Republik. Gerade derartig konservative Pädagogen meinen, sich unwidersprochen mit solchen Thesen an die Öffentlichkeit wagen zu dürfen.
Junge Männer haben es nötiger
Für Frauen ist ein solches Jahr nach Ansicht Buebs nicht unbedingt notwendig. Sie seien von Natur aus hilfsbereit und leisteten in ihrem Leben viel mehr soziale Hilfdienste, allein wenn sie Mütter würden. Zudem würden meistens die Frauen für Eltern oder Verwandte in Not da sein. “Bei ihnen ist das erzieherische Moment nicht so notwendig wie bei Männern“, erklärte Bueb. Er glaube außerdem, dass alle Seiten von einem Sozialen Pflichtdienst profitieren würden: die Betreuten in Altersheimen und Behinderteneinrichtungen, der Staat und auch die jungen Männer, denn Sie “würden sich verändern, einen Gemeinsinn und ein anderes Verhältnis zu Menschen in Not entwickeln.”
In welch durchgeknallter Zeit leben wir eigentlich? Der eine beschwört jetzt die “Herrenrasse”, und Bueb die “Damenrasse” als die ” besseren Menschen”.
Das Problem ist, dass die meisten “Qualitätsmedien” derartig abstrusen Theorien auch noch eine Bühne geben.


Hallo,
in eine ganz ähnliche Kerbe hauen auch die Herren Christian Pfeiffer (“Zivilcourage ist weiblich”: http://www.kreiszeitung.de/nachrichten/landkreis-rotenburg/rotenburg/zivilcourage-weiblich-874659.html — dieser Artikel ist eigentlich Quatsch: Er nimmt den Fall Brunner als Aufhänger, um zu behaupten, dass Frauen hilfsbereiter sind und Männer “allenfalls Freunden mit vergleichbarer Verve zur Seite stünden”. Brunner hat hingegen ihm unbekannte Kinder verteidigt/verteidigen wollen und, soweit ich weiß, sind es tatsächlich überwiegend Männer, die ihre eigene körperliche Unversehrtheit aufs Spiel setzen, um andere zu beschützen. Und hier: http://www.psychologie-heute.de/news_kommunikation_gesellschaft/herzstillstand_und_alle_fahren_vorbei__090402.html steht sogar, dass Männer etwa 80% der Ersthelfer stellen. Wem mangelt es hier also an Zivilcourage?) und Manfred Spitzer (“Wenn ein 12-jähriges Mädchen einen Computer haben möchte, würde ich das wahrscheinlich befürworten, weil es sich über Mails, Chats und Blogs mit anderen Menschen austauschen möchte. Bei einem Jungen wäre ich dagegen. Da wird geballert oder illegales Zeug runtergeladen.” — diese Erkenntnis hat er durch die Beobachtung seiner beiden Kinder gewonnen. Übrigens gibt es inzwischen Leute, die beklagen, dass Frauen und Mädchen zunehmend süchtig nach sozialen Netzwerken werden. Das wirkliche Leben besteht nicht nur aus Chats.); speziell bei der Debatte um sog. “Killerspiele” wird häufig unterschwellig (und nicht selten explizit, wie bei Spitzer) mit Misandrie argumentiert; wegen der Pauschalität der Vorwürfe und der häufigen inhaltlichen Fehler von Seiten von Spitzer, Pfeiffer & Konsorten (aus Politik und Medien) werden sie übrigens von der Computerspielszene heftig kritisiert.
Der Artikel über Pfeiffer ist, glaube ich, eine Meldung wert.
Andreas
Hui! Andreas, ganz herzlichen Dank für deine Ergänzungen. Ich fände es echt toll, wenn du gleich hier bei uns Artikel schreiben könntest. So gehts ja doch ein wenig unter… Kommentare werden zwar auch gelesen, aber Artikel noch viel mehr. Daher nehme ich jetzt deinen Kommentar, und setze ihn als Artikel hier hinein.